Elmshorn (Schleswig-Holstein) – Eine Bäckerei nach der anderen gerät in Deutschland ins Schlingern. Brot als Broterwerb scheint nicht mehr sicher. Das deutsche Back-Handwerk steckt in der Krise. Jetzt ging eine Bäckerei-Kette in Schleswig-Holstein pleite.
Die Bäckerei Millahn hat Insolvenz beantragt. Sie hat 12 Standorte und 66 Mitarbeiter in Elmshorn (Schleswig-Holstein) und Umland. Das Familienunternehmen wurde bereits 1977 von Horst und Cornelia Millahn gegründet. Für die Betreibergesellschaft, die Elmshorner Backstuv GmbH, hat das Amtsgericht Pinneberg ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet.
Warum der Bäcker pleite ist
Laut der vorläufigen Insolvenzverwalterin Jennie Best von der Kanzlei Reimer sprangen gleich zwei wichtige Großkunden ab. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Energie und Rohstoffe. Auch der höhere Mindestlohn habe den Betrieb unter Druck gesetzt. Der war am 1. Januar 2026 um 8,4 Prozent auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen. Hinzu kämen hohe Krankenstände. Deshalb hätten einzelne Filialen ihre Öffnungszeiten zeitweise nicht einhalten können. Das habe weitere Umsätze gekostet.
Unterdessen kaufen immer mehr Kunden Brot und Kuchen beim Lebensmittel-Discounter oder im Supermarkt. Für viele Traditionsbetriebe wird der Preiskampf um die Brötchen zur Existenzfrage.
Wie es um Bäckereien in Deutschland steht
Bundesweit leiden die Bäckereien. Zuletzt hat es unter anderem die Genuss-Bäckerei Tillmann im Sauerland erwischt. Für den Betrieb mit acht Filialen und 105 Beschäftigten wurde ebenfalls ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Zudem ist die Bäckerei Maier mit sechs Filialen und 50 Mitarbeitern in Bayern pleite. Auch eine weitere Bäckerei-Kette in Schleswig-Holstein meldete Insolvenz an. Dort sind neun Filialen und fast 100 Mitarbeiter betroffen. In Berlin und Brandenburg schließt eine insolvente Bäckerei-Kette mehrere ihrer 54 Filialen. In Niedersachsen musste Leifert 12 Filialen schließen.
Einzig Großbäcker, die Supermärkte beliefern, profitieren. Die größte Bäckerei Deutschlands baut eine neue Brot-Fabrik und investiert 200 Millionen Euro.
Was mit dem insolventen Unternehmen passiert
Produktion und Verkauf bei Millahn gehen vorerst weiter. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.
Investoren sollen das Unternehmen jetzt retten. „Die Backstuv ist fest verankert und kann auf einen treuen Kundenstamm bauen. Das ist eine gute Grundlage für die Fortführung des Unternehmens. Erste Anfragen potenzieller Investoren liegen bereits vor“, so die Insolvenzverwalterin.