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Top-Jurist vor Gericht: Richter (56) soll junge Kollegin sexuell belästigt haben

Top-Jurist vor Gericht: Richter (56) soll junge Kollegin sexuell belästigt haben
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Fulda (Hessen) – Er machte eine steile Karriere in der hessischen Justiz, war bisher Vizepräsident des Amtsgerichts Kassel, Ausbilder, Prüfer und Hochschuldozent. Doch Dr. Philipp Gescher (56) soll seine hohe Position schamlos ausgenutzt haben. Der Vorzeige-Jurist steht seit Dienstag vor Gericht, weil er eine junge Kollegin mehrfach sexuell belästigt und ihr gedroht haben soll.

Die Vorfälle sollen im September 2023 begonnen haben, als die Juristin (35) ihr Amt als Proberichterin angetreten hatte. Dr. Philipp Gescher war ihr Vorgesetzter. „Er kannte sie bereits, fühlte sich sexuell stark zu ihr hingezogen und teilte ihr dies regelmäßig per Nachrichten auf Signal und WhatsApp und in Telefonaten mit“, heißt es in der Anklage, die am Dienstag beim Prozess vor dem Landgericht Fulda (Hessen) verlesen wurde. Zudem soll er sie „mit stark sexualisierten Nachrichten“ belästigt haben.

Richter soll Frau im Dienstzimmer begrabscht haben

Oberstaatsanwältin Yvonne Vockert führt weiter aus: „Der Angeklagte nutzte seine Amtsstellung mehrfach bewusst aus, um sich ihr in Diensträumen in sexueller Absicht zu nähern und sie am bekleideten Gesäß oder der bekleideten Brust anzufassen.“

Schamlos soll er sie unter Druck gesetzt haben

Die Vorwürfe lauten sexuelle Belästigung in vier Fällen und sexuelle Nötigung. Zudem soll er gegen ihren Willen eine sexuelle Handlung an ihr vorgenommen haben. Sie duldete das offenbar nur, weil sie berufliche Konsequenzen fürchtete.

Die unerfahrene Proberichterin litt laut Anklage massiv unter den Taten und empfand „Scham und Ekel“. Doch ihr Vorgesetzter soll sie massiv unter Druck gesetzt haben. Er soll mehrfach gedroht haben, sie schlecht zu beurteilen. Er hätte sogar die Macht dazu, sie aus dem Dienst entfernen zu lassen, soll er gesagt haben. Das wäre das Ende ihrer Karriere gewesen. Nach einem weiteren Übergriff Anfang 2025 beantragte die Proberichterin ihre Versetzung.

Verteidiger spricht von „haltlosen Vorwürfen“

Vor Gericht wirkte das Opfer gefasst, wollte sich gegenüber den Medien nicht äußern. Sie sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Ihr ehemaliger Vorgesetzter ist vorübergehend von seinen Aufgaben als Vizepräsident des Amtsgerichts Kassel entbunden. Ein Geständnis gab es nicht. Im Gegenteil: Verteidiger Christoph Dannecker sprach von „haltlosen Vorwürfen“ und davon, dass das „nicht rein dienstliche Verhältnis“ einvernehmlich gewesen sei. Sein Mandant wolle sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

Dem angeklagten Richter droht bei einer Verurteilung laut Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Zudem müsste er disziplinarrechtliche Konsequenzen bis zur Entfernung aus dem Richterdienst fürchten. Ein Urteil wird Ende Juni erwartet.

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