Hamburg – Am 54. Prozesstag um die entführten Block-Kinder sollte es um Kinderpsychologie, Rückführungskonzepte und die Frage gehen, welche Rolle die Einschätzungen des Bremer Psychologen Stefan Rücker (54) für die Hauptangeklagte Christina Block spielten. Eigentlich. Doch am Ende des Verfahrens stand plötzlich der Zeuge im Mittelpunkt. Nun könnte er bald selbst vor Gericht stehen!
Die Steakhaus-Erbin („Block House“) steht vor dem Hamburger Landgericht, weil sie die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder an Silvester 2023/2024 aus Dänemark bei einer israelischen Sicherheitsfirma beauftragt haben soll. Am Donnerstag sagte der Kinderpsychologe Rücker erneut aus.
„Manchmal geht der Blick der Kammer ins Leere“
Stefan Rücker hatte Christina Block 2022 beraten (45.000 Euro Honorar) und ein Rückführungskonzept erstellt. In seinen Einschätzungen ging es um Eltern-Kind-Entfremdung, um mögliche Manipulation der Kinder durch den Vater Stephan Hensel und um die Frage, wie Klara und Theodor wieder nach Hamburg zurückkommen könnten. Am 54. Verhandlungstag las Blocks Verteidiger Ingo Bott dem Psychologen aus seinen früheren Stellungnahmen vor.
Als der Anwalt aus den fachlichen Einschätzungen Fragen entwickelte, wurde der Ton rauer. Hildebrandt sah keine konkreten Anhaltspunkte. Bott hielt dagegen. Er warf der Kammer vor, nicht detailliert genug interessiert zu sein. Hildebrandt fragte scharf: „Welches Verhalten werfen Sie uns vor?“ Bott: „Ich habe den Eindruck, dass der Blick manchmal sehr ins Leere geht.“
Die Vorsitzende: „Wollen Sie Stimmung gegen die Kammer machen? Was genau ist der Vorwurf? Dass ein Blick ins Leere geht, ist Ihre Interpretation!“ Bott: „Die Art des Dialogs könnte Grund für ein Ablehnungsgesuch sein.“ Hildebrandt fragte nach: „Wollen Sie ein Ablehnungsgesuch gegen uns stellen? Brauchen Sie eine Pause?“ Ein Satz wie ein Warnschuss im Sitzungssaal. Bott ruderte zurück: „Dann mache ich jetzt weiter mit der Befragung.“
„Halten Sie dem Zeugen keine allgemeine Vorlesung“
Die Luft blieb geladen. Auch Nebenklage-Anwalt von der Meden beanstandete Botts Fragestil. Bott wiederhole im Kern nur, was ohnehin schon in Rückers Stellungnahmen stehe: „Völlig ziellos.“
Bott hielt dem Zeugen weiter seine Stellungnahmen vor. Dann erklärte der Jurist: „Die psychologischen Folgen sind fast dieselben, ob einem Kind sexueller Missbrauch eingeredet wird oder ob es den selbst erlebt hat.“ Die Vorsitzende mahnte erneut: „Halten Sie dem Zeugen keine allgemeine Vorlesung. Ihre Aufgabe ist es, Fragen zu beantworten.“
Wird ein Verfahren gegen den Psychologen eingeleitet?
Am Ende des Verfahrens wollte der Staatsanwalt vom Zeugen Rücker wissen, ob er jemals mit den entführten Kindern gesprochen habe. Stefan Rücker gab an, dass er ihnen am zweiten Tag im Hamburger Haus der Mutter nach dem Kidnapping „ein Gesprächsangebot“ gemacht habe. Rücker: „Ich fragte: ,Braucht ihr etwas?‘ Daraufhin sagte die Tochter: ,Zurück nach Dänemark kannst du uns ja nicht bringen.‘“
Nachdem der Psychologe den Saal verlassen habe, äußerte sich der Staatsanwalt zu einer Sprachnachricht von Rücker, an die sich der bis heute nicht erinnern will. Darin ging es um eine Demo vor dem Haus des Vaters und dass es nicht so aussehen dürfe, als wäre die von Deutschland aus organisiert worden. Rücker hatte an der Versammlung teilgenommen. Deshalb erwägt die Staatsanwaltschaft nun die Einleitung eines Verfahrens gegen den Psychologen.