Berlin – Eine Mutter sticht in Detmold auf ihren Mann und die gemeinsamen Kinder ein. Eine 35-Jährige wird in Marburg mit 19 Messerstichen getötet. Der Syrer Issa al Hasan tötet beim „Festival der Vielfalt“ in Solingen drei Menschen. Sulaiman A. attackiert eine islamkritische Bürgerbewegung in Mannheim – Polizist Rouven Laur stirbt an seinen Verletzungen. In allen Fällen war die Tatwaffe ein Messer.
Solche Fälle wecken das Gefühl, dass Messergewalt zunimmt. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie bestätigt diesen Eindruck jetzt. Die Mediziner werteten Daten aus 633 Kliniken zwischen 2013 und 2024 aus. Die Zahl der Schwerverletzten mit Stichverletzungen kletterte um 58 Prozent!
Erfasst wurden nur Patienten in Lebensgefahr oder auf der Intensivstation. Tote oder Leichtverletzte blieben unberücksichtigt. Die Untersuchung erschien bereits im August im Deutschen Ärzteblatt. Die Opfer sind meist jung – 85,6 Prozent waren männlich.
Die meisten Messerangriffe im Westen
Im beobachteten Zeitraum verzeichnete der Westen die höchste Rate: 37 Prozent aller erfassten Fälle. In Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland kommen rechnerisch 2,21 Verletzte auf 100.000 Einwohner. Die wenigsten Stichverletzungen gab es im Norden. Die Auswertung zeigt außerdem: Die Verletzungen treffen besonders oft Brust und Bauchraum. In 72 Prozent der Fälle waren dringende Operationen nötig.
René Hartmann, Sprecher der Kliniken der Stadt Köln, erklärt auf BILD-Anfrage: „Die größte Herausforderung ist, das Ausmaß der Verletzung schnell genug zu erfassen und den Patienten zeiteffizient in den OP zu bekommen.“ Das Krankenhauspersonal muss dabei gründlich sein. „Auch eine äußerlich kleine Stichwunde kann mit einer schweren inneren Blutung einhergehen, etwa wenn im Brustkorb oder im Bauch ein Organ oder ein größeres Blutgefäß verletzt wurde.“
Kliniken trainieren den Ernstfall
Stichverletzungen gehören immer mehr zum Klinikalltag. Deshalb üben Krankenhäuser inzwischen den Ernstfall. Im Krankenhaus Köln-Merheim gibt es einen Simulator. PD Dr. med. Sebastian Imach, Oberarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Merheim, gehört zu den Autoren der Studie. Das Team der Kölner Klinik weiß, worauf es bei einer Stichverletzung ankommt.
Mit einer Puppe trainieren die Mediziner, wie man den Patienten am Leben hält, bevor er mit schweren Stichverletzungen operiert werden kann. Hartmann: „Ärztlicher Dienst und Pflege trainieren dabei auch, wie sie unter Zeitdruck Befunde weitergeben, Aufgaben verteilen und die nächsten Schritte aufeinander abstimmen.“