Bad Lippspringe (NRW) – Es ist eine Plane, die größer ist als viele Wohnungen. 100 Quadratmeter bedruckter Stoff. Auf dem Mega-Plakat eine junge Frau mit einem sanften Lächeln. Dazu in riesigen Buchstaben die Frage, die Ralf Salice (63) seit fast sechs Jahren quält: „Was ist mit meinem Kind passiert?“
Für den Vater ist das XXL-Banner mehr als nur ein Zeugenaufruf. Es ist der Ausdruck einer unbeirrten Hoffnung. Die Plane liegt in seinem Transporter. Immer griffbereit. Falls jemand eine Werbefläche zur Verfügung stellt.
Letzte Spur im Supermarkt
Tochter Scarlett aus Bad Lippspringe (NRW) verschwand am 10. September 2020 während einer Wanderung im Schwarzwald auf ihrer letzten Etappe zwischen Todtmoos und Wehr (Baden-Württemberg).
Polizei, Feuerwehr, Bergwacht und freiwillige Helfer suchten wochenlang nach der damals 26-Jährigen. Hubschrauber kreisten über dem Schwarzwald, Suchhunde verfolgten ihre Spur, Drohnen durchkämmten das Gelände. Ohne Erfolg.
Bangen und Hoffen bei jedem Anruf
Für ihren Vater begann ein Albtraum, der bis heute andauert. Er steht in Kontakt mit den Ermittlern und fährt jährlich mit Helfern in den Schwarzwald, um abgelegene Gebiete abzusuchen. „Bei jeder Nachricht und jedem Anruf erhoffe ich das Beste und befürchte gleichzeitig das Schlimmste“, sagt er.
Im vergangenen Jahr bekam die Familie wertvolle Unterstützung. Mithilfe des Smoothie-Herstellers True Fruits entstand das riesige Plakat mit Scarletts Foto. Vier Wochen lang hing es an einer stark befahrenen Kreuzung in München. Tausende Menschen sahen täglich das Gesicht der jungen Frau und den verzweifelten Appell ihrer Familie.
Banner wiegt 50 Kilo
Als die Aktion endete, ließ Vater Ralf Salice die Plane nicht zurück, sondern nahm sie mit. Seitdem begleitet ihn das Mega-Banner, in der Hoffnung auf eine neue Möglichkeit.
„Vielleicht findet sich jemand, der eine Fläche an einem stark frequentierten Ort hat“, sagt Salice. „Die Person mit dem entscheidenden Hinweis könnte überall leben. Vielleicht weckt das Plakat bei jemandem eine Erinnerung, die zum Verbleib von Scarlett führt.“
Bis zu 100.000 Euro Belohnung
Für Vater Ralf ist das die Hoffnung, die ihn antreibt. Eine Hoffnung, gebannt auf zehn mal zehn Metern. Rund einen Zentner schwer. Riesig. Aber noch immer viel kleiner als die Sehnsucht eines Vaters, endlich zu erfahren, was mit seiner geliebten Scarlett passiert ist. „Ich werde das Plakat so lange behalten, bis ich weiß, wo meine Tochter steckt.“
Wer Hinweise zum Verbleib der vermissten Scarlett geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei oder über die Suchinitiative des Vaters zu melden. Für den entscheidenden Hinweis ist eine Belohnung von bis zu 100.000 Euro ausgelobt.