Berlin – Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) beantwortet in der ARD-Arena Bürgerfragen – und kämpft sichtlich mit der Hitze im Studio. Der Schweiß rinnt ihm über die Stirn, tropft von den Ohren auf das Sakko. Immer wieder wischt sich Klingbeil den Schweiß aus dem Gesicht. „Verdammt heiß hier“, sagt Moderatorin Jessy Wellmer (45) während der Sendung. Hat die ARD etwa vergessen, die Klimaanlage anzustellen?
Co-Moderator Louis Klamroth (35) sagt am Ende fast entschuldigend: „Wir schalten aus diesem heißen Studio zu den Tagesthemen.“ Klingbeil lächelt erleichtert, den Saunagang im Berliner ARD-Studio über die Bühne gebracht zu haben.
Auch inhaltlich ging es zur Sache: Bürger konnten Klingbeil Fragen zu hitzigen Themen wie Migration, Wohnen, Rente, und Löhne stellen. Themen, die Millionen direkt betreffen. Klingbeil spricht von Herausforderungen, räumt Probleme ein. Dabei warnt er aber stets davor, das Land schlechtzureden, und bemüht sich um Zuversicht. Doch die Antworten sind oft vage.
Seitenhieb auf die Auto-Industrie
Eine Zuschauerin meldet sich zu Wort. Sie fragt nach der Behauptung von Arbeitsministerin Bärbel Bas (58, SPD), dass es keine Einwanderung ins Sozialsystem gibt: „Alle Bürgermeister erzählen etwas anders.“ Klingbeil nimmt seine Parteifreundin in Schutz: „Bärbel Bas kommt aus Duisburg“ und wisse, dass es Missbrauch der Sozialsysteme gibt. Er räumt ein, dass es stärkere Initiativen gegen Schwarzarbeit geben muss.
Auf die Frage, warum die Wirtschaft in der Dauerkrise stecke, führt Klingbeil an: Es komme viel zusammen. Die deutsche Erfolgsformel (Billig-Gas aus Russland, Exporte nach China und die USA zahlen die Sicherheit) habe sich in Luft aufgelöst. Dazu Krisen wie der Iran-Krieg. Auch eine Wirtschafts-Watschen hat Klingbeil parat: „Ich könnte jetzt fragen, warum die Automobilindustrie nicht viel früher auf Elektromobilität gesetzt hat – aber das würde uns nicht weiterbringen.“
Ein Zuschauer aus Chemnitz fordert, die Ukraine nicht länger zu unterstützen. Trotz der Hitze im Studio zeigt Klingbeil jetzt Kante. „Da bin ich nicht bei ihnen. Es gibt nur einen, der ist der Kriegstreiber. Ich finde, so deutlich muss man das auch benennen.“