Leuna (Sachsen-Anhalt) – Die Rettung des Chemiewerks sollte ein Neuanfang werden. Stattdessen endet sie nun aber nach nur zweieinhalb Monaten in der nächsten Insolvenz. Die Leuna-Polyamid GmbH, die erst Anfang April die Vermögenswerte der insolventen Domo Caproleuna übernommen hatte, hat selbst einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.
Damit steht eines der jüngsten Sanierungsprojekte am traditionsreichen Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt bereits wieder vor einer ungewissen Zukunft. Und die mehr als 400 Mitarbeiter bangen wieder um ihre Jobs. Noch im Frühjahr galt die Übernahme als Erfolg.
Rohstoffpreise schießen durch die Decke
Die neu gegründete Leuna-Polyamid GmbH hatte den Betrieb des ehemaligen Domo-Werks fortgeführt. Gesellschafter sind die Leuna-Harze GmbH und die Infraleuna GmbH. Nach Angaben des Unternehmens lief zunächst alles gut. Doch dann folgte der Schock. In einer Mitteilung des Unternehmens heißt es: „Weltpolitische Entwicklungen, insbesondere in der Golfregion, führten jedoch zu drastischen Steigerungen der Rohstoffpreise von mehr als 40 bis zu 100 Prozent.“ Für die junge Gesellschaft wurde das zum Problem. Rücklagen seien noch nicht aufgebaut worden, und die wichtigsten Rohstofflieferanten hätten Vorkasse für Lieferungen gefordert.
Jetzt wird ein Investor gesucht
Am 17. Juni zog die Geschäftsführung die Reißleine und beantragte Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Unternehmen plant, den Betrieb dennoch fortzuführen. Im Mittelpunkt steht nun die Suche nach einem Investor, der frisches Kapital mitbringt und dem Werk langfristig eine Perspektive verschafft. Die Verantwortlichen verweisen auf moderne Anlagen und eine „engagierte Mannschaft“. Das Unternehmen sei in der Lage, auf dem europäischen Markt zu bestehen. Für die Beschäftigten beginnt damit erneut das Warten auf die Frage, wie es mit ihrem Werk weitergeht.