Wer prägt Deutschland? Wer setzt die Themen, trifft die Entscheidungen und gestaltet den Wandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Antworten auf diese Fragen sucht „THE POWER LIST 2026“ der PREMIUM-Gruppe von Axel Springer.
Gemeinsam haben die Redaktionen von WELT, POLITICO Deutschland und BUSINESS INSIDER Deutschland die 50 einflussreichsten Persönlichkeiten des Landes ausgewählt.
Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Axel-Springer-Gebäude in Berlin kamen die Ausgezeichneten zusammen. Höhepunkt des Abends waren drei besondere Ehrungen: die Auszeichnungen zur Person des Jahres, zur Unternehmerin des Jahres und zur Agenda-Setterin des Jahres.
Wir dokumentieren die Laudationes des Abends.
„Person des Jahres“: Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern (CSU)
Sehr geehrte Damen und Herren,
unser Preisträger ist Mitglied im Fanclub des FC Bayern München im Deutschen Bundestag.
Womöglich sind dort die Allianzen entstanden, mit denen Alexander Dobrindt heute als Bundesinnenminister seine Agenda umsetzt. Lars Klingbeil hat einst mit ihm den Fanclub gegründet. Wenn das kein Zufall ist.
Über die Fußballkünste von Alexander Dobrindt ist nicht so viel überliefert, in der Politik – für uns alle sichtbar – beherrscht er sein Handwerk.
Und besitzt zudem so viel Regierungserfahrung wie niemand sonst im Kabinett. Das zahlt sich aus.
Alexander Dobrindt fällt auf mit seiner geräuschlosen und zielstrebigen Arbeit.
Während an vielen Stellen in der Bundesregierung der Reformmotor nicht anspringt, liefert er.
Der Bundesinnenminister arbeitet den Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD einfach ab. Vier Jahre braucht er dafür nicht.
Zu seinem Handwerk gehören auch Diplomatie und gute Kontakte, nicht nur zum Koalitionspartner, auch in die Opposition hinein, bekanntlich bis in die Linkspartei.
Und mit Blick auf die eigene Parteienfamilie: Alexander Dobrindt scheint einer der wenigen zu sein, der sowohl im Team Merz als auch im Team Söder spielt.
Dabei haben wir Alexander Dobrindt auch schon ganz anders kennengelernt, als Generalsekretär seiner Partei, der CSU, der damals nicht nur im Bierzeltsprüche klopfen und ordentlich austeilen konnte.
Umso bemerkenswerter und wohltuender, wenn da jemand jetzt einfach nur seine Arbeit macht, das Scheinwerferlicht nicht für die eigene Inszenierung oder Ankündigungen und Versprechen sucht, sondern für das handfeste Ergebnis.
Jemand, der mit stoischer Ruhe und messerscharfer Effizienz seine Wahlversprechen umsetzt. Das schafft Vertrauen.
Genau diese Qualitäten beweist Alexander Dobrindt in einem der schwierigsten Ressorts unseres Landes. Er hat eines der Themen angepackt, das Deutschland in den vergangenen Jahren am meisten gespalten hat: die Migrationspolitik.
Wo andere sich in rhetorischen Grabenkämpfen verlieren, handelt er. Alexander Dobrindt hat die Migrationswende nicht nur angekündigt, er setzt sie um. Schritt für Schritt, pragmatisch und konsequent.
Er verwaltet die Herausforderung nicht, er steuert sie.
Er zeigt, was passiert, wenn politischer Wille auf handwerkliches Können trifft.
Das ist genau die unaufgeregte Führung, die dieses Land braucht, um wieder Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu gewinnen.
Und die brauchen wir dringend. Wir erleben eine Phase der tiefen gesellschaftlichen Verunsicherung. Umgeben von weltweiten Krisen und einem lähmenden Reformstau. Das Land sehnt sich nach Orientierung und Verlässlichkeit.
Im politischen Alltag in Berlin, in den Medien, in der Politik und in unserer Gesellschaft wird permanent diskutiert, gezweifelt, gerungen – in dem Umfeld verlässlich Ergebnisse zu liefern, das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist eine Spitzenleistung.
Wir haben bei der „THE POWER LIST 2026“ ganz bewusst den Fokus auf die Zukunft gesetzt. Wir fragen: Wer prägt den Aufbruch? Wer nimmt die Verantwortung an und bringt uns nach vorne?
Alexander Dobrindt tut genau das.
Sehr geehrter Herr Dobrindt, in unserem Land wird Erfolg oft argwöhnisch beäugt. Doch heute Abend blicken wir mit großem Respekt auf Ihre Arbeit.
Möge dieser Preis als „Person des Jahres“ eine verdiente Anerkennung für das Geleistete sein – und gleichzeitig die Motivation, diesen Weg für unser Land weiterzugehen.
Herzlichen Glückwunsch, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt!
Die Laudatio hielt Helge Fuhst, Vorsitzender der Chefredaktionen der PREMIUM-Gruppe (WELT, POLITICO Deutschland und BUSINESS INSIDER Deutschland).
„Agenda-Setterin des Jahres“: Marie-Louise Eta, erste Cheftrainerin der Bundesliga-Geschichte
„Es geht nicht um mich.“
Dieser Satz stammt von Marie-Louise Eta selbst. Und vielleicht beschreibt er besser als jede Statistik und jeder Titel, warum sie heute hier ausgezeichnet wird.
Marie-Louise Eta hat nie versucht, ihre Geschichte zu einer Geschichte über sich selbst zu machen. Sie ist Trainerin, nicht Symbolfigur. Sie wollte Mannschaften besser machen, nicht Debatten anführen. Aber ob sie es will oder nicht: Heute geht es um sie.
Vielleicht hat Marie-Louise Eta genau deshalb so viel erreicht, weil es ihr nie um Marie-Louise Eta ging. Sondern um Leistung, Verantwortung und den Erfolg des Teams.
Die Bilanz kann sich sehen lassen: Als Spielerin gewann sie die Champions League, mehrere deutsche Meisterschaften und 2010 die U20-Weltmeisterschaft. Als Trainerin schrieb sie Geschichte – zunächst als erste Co-Trainerin einer Männer-Mannschaft in der Bundesliga und Champions League, später als erste Cheftrainerin eines Männer-Bundesligisten, von Union Berlin. Was viele für unmöglich hielten, wurde durch ihre Arbeit selbstverständlich.
Und damit sind wir beim Fußball. Fußball ist nie nur ein Spiel. Während großer Turniere wärmt sich ein Land. Millionen Menschen fiebern gemeinsam mit, freuen sich, leiden und diskutieren. Kaum etwas verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, Bildung oder politischer Überzeugung so sehr wie dieser Sport.
Gerade deshalb hat Fußball auch eine gesellschaftliche Bedeutung. Und gerade deshalb sehen wir hier besonders deutlich, dass Dinge, die selbstverständlich sein sollten, oft noch erkämpft werden müssen. Die Gleichstellung von Frauen und Männern gehört dazu.
Aber um eines klar zu sagen: Die Leistung von Marie-Louise Eta braucht keine Sondererklärung oder Gleichstellungsbeauftragte. Im Fußball gelten dieselben Gesetze für alle. Der Sport ist direkt, manchmal rau, oft gnadenlos. Am Ende zählen Kompetenz, Autorität und Ergebnisse. Genau dort haben Sie sich durchgesetzt – aus eigener Kraft in bester Selbstbestimmtheit.
Und gerade dadurch sind Sie zum Vorbild geworden. Nicht, weil Sie es sein wollten. Sondern weil viele junge Frauen heute sehen können, was möglich ist, wenn Talent, Fleiß und Mut aufeinandertreffen.
Deshalb hatten Sie recht: Es geht nicht nur um Sie. Es geht auch um die vielen, denen Sie Türen geöffnet haben.
Und genau deshalb sind Sie die verdiente Agenda-Setterin des Jahres.
Herzlichen Glückwunsch, Marie-Louise Eta.
Die Laudatio hielt Gordon Repinski, Executive Editor von POLITICO Deutschland.
„Unternehmerin des Jahres“: Evelyn Palla
unsere nächste Auszeichnung ist eine Überraschung.
Denn der Preis für die „Unternehmerin des Jahres“ geht an: Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn.
Und ja, man könnte sagen: Das ist eine überraschende Wahl.
Denn wahrscheinlich gibt es in der deutschen Wirtschaft keinen Managerjob, der auf den ersten Blick weniger unternehmerisch wirkt als dieser: Chefin der Deutschen Bahn.
Ein Konzern mit über 200.000 Mitarbeitern. Ein Unternehmen im Staatsbesitz. Ein System aus Zuständigkeiten, Gremien, Prozessen, Regeln, Erwartungen und politischen Ansprüchen.
Kurz gesagt: ein Ort, an dem man Unternehmertum kaum vermuten würde.
Aber genau deshalb ist diese Auszeichnung so richtig.
Evelyn Palla steht vor einer Aufgabe, die größer ist als die Sanierung eines Unternehmens. Die Deutsche Bahn ist ein Spiegelbild unseres Landes: zu langsam, zu bürokratisch, zu oft zu spät. Mit maroder Infrastruktur, verkrusteten Strukturen und viel zu vielen Dingen, die nicht mehr so funktionieren, wie sie funktionieren müssten.
Und genau das will Evelyn Palla ändern. Mit Unternehmertum.
Sie spricht nicht von Kosmetik. Sie spricht von Effizienz. Die Hälfte der Manager unter dem Vorstand sollen gehen, 30 Prozent der Stellen in der Verwaltung wegfallen.
Weniger Zentrale. Weniger Bürokratie. Mehr Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo die Probleme entstehen — und nicht dort, wo sie nur verwaltet werden. Wenn es nach Evelyn Palle geht, dann muss jeder zeigen, welchen Beitrag er zu einer besseren Bahn leistet. Es geht nicht darum: Wer ist zuständig? Sondern: Wer übernimmt Verantwortung?
Evelyn Palla hat eine der schwierigsten Aufgaben in der deutschen Wirtschaft übernommen. Und sie nimmt sie nicht an wie eine Verwalterin, sondern wie eine Unternehmerin.
Liebe Evelyn Palla, man spricht oft vom unruhigen Schlaf des Unternehmers, (weil die Verantwortung größer ist als bei angestellten Managern). Ich hoffe sehr, dass ihre Nächte ruhig sind. Sollten sie dennoch mal wachliegen, dann wissen sie immerhin: Sie sind auf dem richtigen Weg. Möge dieser Preis also Motivation sein, um diese Aufgabe unternehmerisch zu lösen.
Herzlichen Glückwunsch, Evelyn Palla, zum Preis für die Unternehmerin des Jahres.
Die Laudatio hielt Moritz Seyffarth, Chefredakteur von BUSINESS INSIDER Deutschland.
Alle Beiträge zur „POWER LIST 2026“ finden Sie hier: welt.de/the-power-list