Berlin – Die Bundesregierung steckt wieder tief im Renten-Streit. Auch SPD-Landeschefin Manuela Schwesig (52, Meck-Pomm) und Saarlands Regierungschefin Anke Rehlinger (50, SPD) fordern: Die Rente mit 63 muss bleiben! Die beiden Ministerpräsidentinnen sind damit auf einer Linie mit SPD-General Tim Klüssendorf (34) und drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten. Rehlinger und die anderen stellen sich gegen Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) und die Rentenkommission, die die Rente mit 63 abschaffen wollen. Begründung: zu teuer für das ohnehin marode Rentensystem. Aber stimmt das?
Klar ist: Immer mehr Menschen nutzen die Rente mit 63. Sie ermöglicht es Arbeitnehmern, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Die Altersgrenze liegt inzwischen ab Jahrgang 1960 bei 64 Jahren und vier Monaten, für spätere Jahrgänge noch höher.
Fast 70 Prozent mehr Früh-Ruheständler
Geht es nach Rehlinger, soll das auch so bleiben: „Ich lehne den aktuellen Vorschlag an dieser Stelle ab, weil er dem Respekt vor der Lebensleistung von Menschen widerspricht“, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Damit hat sie zumindest eine wachsende Zahl an Rentnern hinter sich: Im Mai 2026 bezogen laut Rentenversicherung 2,9 Millionen Menschen die abschlagsfreie Rente – rund 230.000 mehr als vor einem Jahr. Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl der Bezieher der Rente mit 63 sogar um 68,6 Prozent gestiegen (Mai 2021: 1,72 Millionen Bezieher). Auch die Kosten legten rasant zu: Allein im Mai zahlte die Rentenkasse dafür 5,63 Milliarden Euro aus! Das waren 640 Millionen Euro mehr als im Mai 2025.
Mehrkosten von vier Milliarden Euro
Laut Bertelsmann Stiftung würde die Durchschnittsrente eines besonders langjährig Versicherten bei der Abschaffung der Rente mit 63 um 6,6 Prozent niedriger ausfallen. Im Jahr 2025 zahlte die Rentenversicherung 61,5 Milliarden Euro an Rente mit 63 aus. Wären die Ausgaben (wie in der Studie errechnet) um 6,6 Prozent niedriger, würde die Rentenkasse rund vier Milliarden Euro pro Jahr sparen.“ Anders gesagt: Die Rente mit 63 kostet uns vier Milliarden Euro im Jahr.
Wolfgang Steiger (61), Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, sagte zu BILD: Befürworter einer Fortführung der Rente mit 63 „neigen dazu, die Finanzierungsgerechtigkeit auszublenden – und das in einer Zeit, in der die Alterung der Gesellschaft die Rentenkasse ohnehin vor massive Herausforderungen stellt“. Wer heute solche Leistungen in Aussicht stelle, müsse ehrlich sagen, „dass diese Rechnung von den Beitrags- und Steuerzahlern von heute und morgen bezahlt wird“.