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Parlamentswahlen: Wer führt Israel in die Zukunft?

Parlamentswahlen: Wer führt Israel in die Zukunft?
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Tel Aviv – Die ganze Welt blickt heute auf Israel, denn nach insgesamt rund 19 Jahren an der Macht könnte die Ära des so legendären wie umstrittenen Premierministers Benjamin Netanjahu (77) enden.

Das hätte möglicherweise Folgen für die Kriege im Nahen Osten und die Weltpolitik. Israel wählt ein neues Parlament, zum ersten Mal seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023, dem größten Massenmord an Juden seit dem Holocaust.

Die Wahl ist auch eine Abstimmung über die Frage, ob die Israelis an Netanjahu festhalten – oder ob sie ihm wegen der Versäumnisse von Regierung, Geheimdiensten und Armee im Zusammenhang mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober das Vertrauen entziehen.

Netanjahus aussichtsreichster Herausforderer Gadi Eisenkot (66) ist mit dem Versprechen angetreten, eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission einzurichten, die die Fehler von Regierung und Sicherheitsdiensten schonungslos aufklärt. Netanjahus Regierung hat eine solche Kommission blockiert.

Netanjahu und Eisenkot – unterschiedlicher könnten zwei Politiker kaum sein: Netanjahu ist ein brillanter und charismatischer Redner. Der Ex-Generalstabschef Eisenkot hingegen ist kein Bühnentalent, spricht militärisch-hölzern.

Netanjahu wuchs in einem bildungsbürgerlichen Elternhaus als Sohn eines Geschichtsprofessors auf, verbrachte seine Jugend teilweise in Amerika und studierte an einer US-Eliteuni. Eisenkot stammt aus einfachen Verhältnissen, ist der Sohn jüdisch-marokkanischer Einwanderer. Er arbeitete sich in der Armee vom einfachen Infanteristen zum Generalstabschef hoch – dem ranghöchsten Militär Israels.

Während Netanjahu wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht steht, genießt Eisenkot bei seinen Anhängern den Ruf eines integren Politikers.

Als Israel nach dem 7. Oktober rund 360.000 Reservisten mobilisierte, blieb Netanjahus Sohn Yair in Florida. Eisenkots Sohn Gal Meir wurde im Gazastreifen getötet, als er versuchte, die Leichen zweier israelischer Geiseln zu bergen. Auch zwei Neffen von Eisenkot fielen im Krieg gegen den Terror.

Wegen dieser schweren persönlichen Verluste ist Eisenkot in den Augen vieler Israelis nahbar, er verkörpert ihren Schmerz.

Eliana Sachs (25) arbeitete in der Hightech-Industrie und als Model, als der Krieg ihre Familie zerstörte. „Mein Bruder und meine Mutter wurden durch eine iranische Rakete getötet. Dadurch wurde mir klar, dass wir einen Wandel brauchen“, sagt Sachs im Gespräch mit BILD. „Vor allem wir jungen Menschen, die junge Generation in Israel, brauchen eine andere politische Führung. Ich hatte nie vor, in die Politik zu gehen. Doch die Tragödie, die meine Familie getroffen hat, hat mich dazu bewogen“, sagt Eliana, die für Eisenkots Partei für das israelische Parlament kandidiert.

Neben den Themen Sicherheit und Aufarbeitung des 7. Oktober sind für die Israelis auch die hohen Lebenshaltungskosten und die Frage nach einer Wehrpflicht für Ultraorthodoxe wichtig für ihre Wahlentscheidung. Laut den letzten Umfragen liegt zwar Eisenkots Partei „Yashar!“ („Geradlinig!“) vor Netanjahus Likud, doch auch dem Ex-Generalstabschef würde eine Mehrheit zur Regierungsbildung fehlen. Es drohen lange Koalitionsverhandlungen und schlimmstenfalls Neuwahlen.

Eliana Sachs ist dennoch optimistisch. „Wenn ich unterwegs bin, spüre ich, wie sehr sich die Menschen diesen Wandel wünschen. Sie haben diese Regierung satt. Sie wollen frischen Wind, neue Gesichter. Das gibt mir unglaublich viel Hoffnung.“

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