Frankfurt/Main – Der Tod von Zugbegleiter Serkan C. (†36) erschütterte ganz Deutschland. Jetzt zieht die Deutsche Bahn Konsequenzen und rüstet auf. Mit Schutzwesten, Bodycams, Sicherheitspersonal und Künstlicher Intelligenz sollen Zugbegleiter in Zügen künftig besser vor Gewalt geschützt werden.
Nach dem Sicherheitsgipfel von Bahnchefin Evelyn Palla im Februar und ersten Sofortmaßnahmen soll nun weiter aufgerüstet werden. Ab Juli startet die Deutsche Bahn einen Trageversuch mit stichfesten Schutzwesten für Kundenbetreuer. Auch die Bodycam-Offensive wird ausgeweitet. Bereits 1750 Mitarbeiter sind mit den Kameras ausgestattet. Bis August sollen alle Beschäftigten geschult werden. Nach Angaben von DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld kam es bei mehr als 500 Einsätzen von Bodycams nur zu einem schweren Übergriff.
Mehr Personal und KI sollen Sicherheit bringen
Zugbegleiter sollen künftig häufiger in Doppelbesetzung oder mit Sicherheitsbegleitern eingesetzt werden. Nach Angaben der Bahn hätten beide Modelle gezeigt, dass sich Konflikte und aggressive Situationen besser beherrschen lassen.
Auch Künstliche Intelligenz (KI) soll zum Einsatz kommen: Künftig könnten die Aufnahmen der Kameras in den Zügen in Echtzeit an die Verkehrszentrale weitergeleitet werden. Eine KI wertet die Aufnahmen dann aus und meldet Konflikte, etwa einen Streit unter Fahrgästen oder Randalierer. In einem Pilotprojekt in Bremen wird das System bereits getestet.
Tödlicher Angriff löste Sicherheitsdebatte aus
Auslöser war eine tödliche Attacke auf Zugbegleiter Serkan C. (†36). Der Familienvater war Anfang Februar bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalzug von Kaiserslautern nach Saarbrücken angegriffen worden. Der 36-Jährige wollte nach Angaben von Ermittlern lediglich seine Arbeit erledigen. Ein 26 Jahre alter Fahrgast konnte kein Ticket vorweisen. Es kam zum Streit. Ein Ersthelfer schilderte später die dramatischen Szenen. „Der Täter setzte mehrere Schläge gezielt in Richtung des Kopfes des Zugbegleiters. Daraufhin ist er zusammengeklappt“, so der Zeuge.
Mordanklage gegen Killer von Serkan C.
Gegen den Killer von Zugbegleiter Serkan C. wurde inzwischen Mordanklage erhoben. Nach Angaben der Behörde habe der Beschuldigte „aus Verärgerung über eine alltägliche Ticketkontrolle“ gehandelt. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Laut Bahn kommt es im Durchschnitt zu acht Angriffen auf Zugbegleiter pro Tag.