Jerusalem/Beirut – Stehen jetzt schwere Militärschläge auf den Libanon bevor? Israel-Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Montag eine Ausweitung der Angriffe auf die Hisbollah-Miliz unmissverständlich angekündigt. „Wir befinden uns im Krieg mit der Hisbollah, und wir werden unsere Angriffe verstärken“, sagte er in einer Videobotschaft auf Telegram. Er habe „eine noch größere Beschleunigung unserer Operationen befohlen“, so Netanjahu weiter.
Anschließend teilten die israelischen Streitkräfte mit, sie griffen bereits Ziele der Miliz in der Bekaa-Ebene im Osten des Libanons an. Im Visier scheint auch die libanesische Hauptstadt zu sein. Aus Sorge vor einer israelischen Offensive flohen libanesischen Sicherheitskreisen zufolge zahlreiche Menschen aus den südlichen Vororten Beiruts. Denn Israel betrachtet diese Gebiete als Hochburg der Hisbollah. Klar ist: Die Eskalation droht auch die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über ein Ende ihres Krieges zu belasten.
Netanjahu unter Druck
Israel und die vom Mullah-Regime unterstützte Terror-Miliz liefern sich trotz einer am 16. April vereinbarten Waffenruhe weiterhin Gefechte. Die israelische Armee ist im Südlibanon stationiert und zerstört dort nach eigenen Angaben Stellungen der Hisbollah. Diese greift israelische Truppen und Städte im Norden Israels verstärkt mit Sprengstoffdrohnen an, darunter Glasfaserdrohnen. „Wir werden unsere Angriffe verstärken, unsere Feuerkraft vermehren, und wir werden sie zerschlagen“, sagte der israelische Regierungschef. Fakt ist: Netanjahu steht innenpolitisch stark unter Druck.
Zuvor hatten zwei rechtsextreme Minister in Netanjahus Kabinett eine Ausweitung des Militäreinsatzes im Libanon gefordert. Es sei an der Zeit, dass Netanjahu gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump „eine entschlossene Haltung einnimmt und ihm mitteilt, dass Israel wieder in den Krieg im Libanon eintritt“, erklärte Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir (50) im Onlinedienst X.
„Die Stromversorgung des Libanon muss unterbrochen, der Sahrani muss eingenommen und die intensive Kriegsführung wieder aufgenommen werden“, fuhr Ben Gvir fort. Er bezog sich dabei auf einen Fluss im Süden des Libanon, der weiter nördlich fließt als der aktuelle israelische Militäreinsatz verläuft.
Angriffe auf Beirut gefordert
Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich forderte gar Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut, um den Drohnenangriffen der Hisbollah entgegenzuwirken. „Es ist dringend notwendig, der Bedrohung durch die Sprengstoffdrohnen der Hisbollah ein Ende zu setzen“, erklärte Smotrich. „Für jede Sprengstoffdrohne müssen in Beirut zehn Gebäude einstürzen.“
Die israelische Armee hatte bereits am Montag ihre Luftangriffe im Süden des Libanon verstärkt. Ihre Angriffe richteten sich gegen Ziele in den Städten Tyrus und Nabatije sowie in weiteren Orten, meldete der Libanon.
Wie reagiert Trump?
Der Iran macht einen Stopp der israelischen Angriffe im Libanon zur Bedingung für ein Abkommen zur Beendigung des Krieges mit den USA, der auch von Israel geführt wird. Ein US-Regierungsvertreter warf der Hisbollah vor, Aufforderungen zur Einstellung des Beschusses auf Israel ignoriert zu haben. Die Miliz versuche, die von den USA vermittelten Gespräche zwischen Israel und dem Libanon zu torpedieren. Es bleibt abzuwarten, wie US-Präsident Trump auf die Entwicklungen reagiert.