Rauchschwaden über St. Petersburg, dunkle Wolken über Putins Haupt! Auch Maybrit Illner (61) und ihre Talkgäste sehen jetzt schwere Rückschläge für Russland und neue Hoffnungszeichen für die Ukraine. Ein ZDF-Einspieler brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: Drohnenangriffe weit hinter der Front, Putins Vormarsch gestoppt, 500.000 russische Soldaten tot. Illners bange Frage zu Bildern der verheerenden Brände in Putins Heimatstadt: „Kann das den Präsidenten wütender machen, als es dem Westen lieb ist?“
„Fähigkeiten der Ukraine sind heute stärker“
„Mit Sicherheit hat es ihn wütend gemacht“, bestätigte Außenpolitiker Armin Laschet (65, CDU) über die BIlder aus Putins Geburtsstadt, „aber es schadet dem Westen nichts. Es hat in den letzten Wochen und Monaten immer wieder Angriffe auf russischem Territorium gegeben, und das macht ihm vielleicht deutlich, was Kiew und die Ukraine andauernd erleidet. Er merkt jetzt schon, dass die Fähigkeiten der Ukraine heute stärker sind als noch vor ein oder zwei Jahren. Deshalb glaube ich, dass das jetzt ein guter Moment ist, wo er vielleicht auch zu Gesprächen bereit sein könnte, einlenken könnte, weil er merkt, das kann noch intensiver werden und es wäre im Interesse beider Seiten, das jetzt zu stoppen.“
Claudia Major: „Das Blatt ein bisschen gedreht“
Militärexpertin Claudia Major (49) hofft nach den Drohnen-Bomben auf St. Petersburg sogar bereits auf einen „strukturellen Wandel“: Die Ukraine habe „sich militärisch besser aufgestellt, technologisch angepasst, die Mobilisierung verbessert, die Ausbildung verbessert“, Russland dagegen sei „in vielen Bereichen zurückgefallen“ und habe zudem „politisch mehr Druck bekommen“. Denn mittlerweile gebe es „innenpolitisch schon einige, die die Frage stellen, ob die militärischen Ziele überhaupt noch erreicht werden können“.
Die Analyse der Expertin: „Es wirkt so, als würde es sowohl militärisch als auch politisch und wirtschaftlich für Russland schlechter laufen. Von daher hat man schon den kleinen Hoffnungsschimmer, dass Russland in eine Situation kommt, wo Aufhören attraktiver ist als Weitermachen.“ Insofern habe „die Ukraine das Blatt ein bisschen gedreht.“
Ebenso eindeutig beurteilte Politologe Wolfgang Merkel (74) die Lage: „Der Krieg hat sich an der Front festgefressen.“ Das heiße zwar „noch längst nicht, dass Putin bereit ist, in Verhandlungen einzutreten“, aber „er ist nicht mehr in der Vorderhand.“ Denn, so der Experte: „Die Territorialgewinne, die er zu verzeichnen hatte, werden schwer für Russland zu reorganisieren sein. Ich kann keinen Sinn erkennen, den der Krieg für Putin gemacht hat.“
Wirtschaftswissenschaftler Rüdiger Bachmann (51) ging noch weiter: Russlands ökonomische Lage sei „dramatisch“, befand er und orakelte: „Man kann schon seine Zweifel haben, ob Putin das länger durchhalten kann. Nullwachstum in Russland, relativ starke Inflation, sehr hohe Zinsen, der Haushalt in Trümmern. Die Sanktionen beginnen jetzt langsam zu wirken.“