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Kulturstaatsminister im BILD-Interview: Weimer will Fußball zum Weltkulturerbe machen

Kulturstaatsminister im BILD-Interview: Weimer will Fußball zum Weltkulturerbe machen
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Berlin – Seit gut einem Jahr ist Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) im Kanzleramt zuständig für Kultur und Medien. Im BILD-Interview spricht er auch über das Thema, das viele Deutsche derzeit besonders bewegt: Fußball.

BILD: Das offizielle Porträt von Ex-Kanzlerin Angela Merkel hängt noch immer nicht im Kanzleramt. Warum dauert das so lange?

WOLFRAM WEIMER: (...) Das darf die Bundeskanzlerin selbst entscheiden. Sie wählt eine Künstlerin oder einen Künstler aus. Und ich glaube, der Respekt gebietet, abzuwarten, wie sie sich entscheidet. Ich selbst würde jemanden wie Cornelia Schleime wählen, eine großartige Malerin aus Ostdeutschland.

Es könnte ja sein, dass der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz noch eher dort hängt als Angela Merkel...

Ich glaube, er wartet das ab. So geduldig ist er. Es ist ja eine Galerie für die Ewigkeit und jetzt nicht für eine Legislatur. (...)

Viele Bürger beschweren sich darüber, dass das Fernsehprogramm der Öffentlich-Rechtlichen nur seichtes Programm anbietet. Warum ist das so?

Ja, das wird häufig kritisiert. Die Akzeptanz von ARD und ZDF ist in Schieflage. (...) Deshalb wurde mit dem neuen Staatsvertrag ein Reformprozess eingeleitet: Die Sender werden schlanker, kooperieren stärker und arbeiten mehr mit den Privaten zusammen. Das ist gut. Der Reformprozess muss aber weitergehen.

Dazu gehört auch die Frage, ob sich Anstalten wie der Saarländische Rundfunk oder Radio Bremen nicht zu größeren Verbünden zusammenschließen können. (...) Man kann deshalb auch hinterfragen, wie viele Sender wir überhaupt brauchen. Diese Diskussion findet jetzt statt und das ist gut so.

Haben Sie eigentlich schon mal Trash-TV geschaut?

Ich weiß nicht, was Sie genau mit Trash-TV...

Zum Beispiel das Dschungelcamp.

Ja, natürlich.

Wie finden Sie das?

Ja, man ist natürlich interessiert, was so los ist und was passiert. Mich interessieren Formate und wie sich die Alltagskultur entwickelt. (...) Beim Dschungelcamp war es bei mir so, dass ich irgendwann den Spaß daran verloren habe. Aber solange das Format beim Publikum funktioniert, warum soll es nicht gezeigt werden? (...)

Würden Sie ins Joggercamp gehen, wenn Sie mal nicht mehr Politiker...

Nein, never ever!

Sie haben ein Kreuz in ihrem Büro hängen. Das stammt von Altkanzler Konrad Adenauer. Wie kommen Sie an dieses Kreuz und was hat das für eine Bedeutung für Sie?

Ich bete jeden Tag und bin ein skeptischer Katholik. (…) Für mich ist ein Kreuz eine Erinnerung daran, was im Leben wesentlich ist. Gerade im politischen Betrieb, wo es viel um Kampf und Streit geht, erinnert es an Respekt, Achtung und humanistische Ideale. (...) Als Süddeutscher bin ich mit Kreuzen aufgewachsen, deshalb gibt mir das auch emotionale Geborgenheit. Dieses Kreuz stammt vom Sohn Konrad Adenauers und ist mir von der Familienstiftung ausgeliehen worden. (...)

Sie sind großer Fußballfan, von Eintracht Frankfurt insbesondere. Zur WM kosten Fanartikel wie ein Trikot der Nationalmannschaft über 100 Euro. Ist das nicht zu teuer?

Die Preise für die Trikots sind einfach zu hoch. Es ist doch etwas Wunderbares, wenn Kinder die Begeisterung sehen und dann auch ein Deutschland-Trikot haben möchten. Wenn Familien dafür aber über 100 Euro zahlen müssen, ist das zu viel. Da würde ich wirklich an den DFB appellieren, dass er dafür sorgt, dass man vielleicht die Merchandising-Erträge etwas bescheidener akzeptiert, aber dafür sorgt, dass für normale Familien in Deutschland ein Familiensatz Trikots nicht zum Vermögen wird.

Was wäre ein normaler Preis?

Auf jeden Fall unter 100 Euro.

Ist für Sie Fußball auch Kultur?

Absolut. Ich bin sogar der Meinung, dass unsere Fankultur in Deutschland zu den immateriellen Kulturgütern der UNESCO zählen sollte. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Das hat nicht nur mit emotionaler Tiefe zu tun und damit, dass sie so viele Menschen vereint, sondern auch mit dem, was da in der Verbindung von Gesang, Musik und Choreografien, also inszenierter Ästhetik, geschieht. Ich will jetzt nicht die Kutte zur Hochkultur erklären.

(...) Da werden Lieder komponiert und in Wechselgesängen gesungen. Ich meine, das sind Choräle. (...) Deshalb bin ich der Meinung: Deutsche Fankultur ist wirklich etwas Besonderes. Sie ist ein immaterielles Kulturgut. Ich würde die UNESCO auffordern, das auf die Liste zu nehmen.

Sollte Bundeskanzler Friedrich Merz zu den nächsten Spielen der Nationalmannschaft in die USA fliegen?

Friedrich Merz ist auch Fußballfan. Allerdings nicht von Eintracht Frankfurt, sondern von Borussia Dortmund. Er verfolgt die Spiele ziemlich genau. Ich glaube, es ist auch eine Reise geplant. (...) Wir hoffen natürlich, dass wir diesmal bis ins Finale kommen. (...) Von dieser Mannschaft bin ich begeistert. Es gab ja bei Berti Vogts mal den Spruch: „Die Mannschaft ist der Star.“ Das hat lange nicht gestimmt. Bei dieser Mannschaft habe ich aber das Gefühl, dass es wieder so sein könnte. (...)

Vielleicht verpasst