Seoul – Wieder hat ein nordkoreanischer Soldat die Flucht über die streng gesicherte innerkoreanische Grenze nach Südkorea geschafft. Medienberichten zufolge wurde der Mann in der Nacht zu Mittwoch nach seinem Grenzübertritt in Gewahrsam genommen. Der mutmaßliche Überläufer sei „an der zentralen Front“ aufgegriffen worden, hieß es. In der Regel werden Überläufer zunächst dem südkoreanischen Geheimdienst zur Überprüfung übergeben. Der Generalstab bestätigte den Vorfall, nannte aber keine weiteren Details.
Wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, soll der Soldat vor seiner Flucht die Absicht geäußert haben, nach Südkorea überzulaufen. Weitere Ermittlungen wurden eingeleitet. Bei der Flucht handelt es sich um den ersten solchen Fall in diesem Jahr.
Die innerkoreanische Grenze ist stark vermint, weshalb Grenzübertritte auf diesem Weg äußerst selten sind. Die mehr als 30.000 Nordkoreaner, die mittlerweile in Südkorea leben, sind zunächst über die deutlich durchlässigere Grenze nach China geflohen und dann über Drittländer wie Thailand in den Süden gelangt. Der Anteil der Frauen unter den Flüchtlingen ist dabei deutlich höher: 2024 kamen insgesamt 236 Personen nach Südkorea – 88 Prozent davon waren Frauen.
Zwei Soldaten schrieben Brief aus Gefangenschaft
Nach eingehender Prüfung sichert Südkorea geflohenen Nordkoreanern einen Aufenthalt und die Staatsbürgerschaft zu. Seit der Beteiligung nordkoreanischer Soldaten im Ukraine-Krieg kommt es häufiger zur Fahnenflucht. Im Dezember war der Fall zweier Soldaten aus der Armee von Diktator Kim Jong-un (42) bekannt geworden, die aus der Kriegsgefangenschaft in der Ukraine ihre Absicht mitteilten, nach Südkorea überzulaufen. Ihren Brief hatten sie bereits im Oktober verfasst; Ende des Jahres wurde das Schreiben über einen Dokumentarfilmer übergeben.
Die Übergabe der beiden Gefangenen hat jedoch noch nicht stattgefunden, sie befinden sich immer noch in einem Lager bei Kiew. Am Dienstag erklärte das südkoreanische Außenministerium, man werde alle nordkoreanischen Kriegsgefangenen aufnehmen, wenn sie künftig in Südkorea leben wollten. Den erzwungenen Transfer nach Nordkorea oder Russland im Zuge eines Gefangenenaustauschs lehne man ab. Die Außenminister von Südkorea und der Ukraine werden am 30. Juni Gespräche in Seoul abhalten.