Aus dem Nahen Osten kommen zuletzt meistens schlechte Nachrichten. Heute endlich mal eine gute Nachricht: Israel, der Libanon und die USA haben ein historisches Rahmenabkommen unterzeichnet, das den Weg zu einem israelisch-libanesischen Friedensabkommen ebnen soll. Das ist gleich aus drei Gründen eine gute Nachricht.
Erstens: Das Abkommen ist ein Sieg der Diplomatie. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten haben Israel und der Libanon direkte Gespräche auf hoher Ebene geführt und einen Kompromiss ausgehandelt. Israel und der Libanon befinden sich seit 1948 offiziell im Kriegszustand. Das neue Abkommen kann zu stabileren Beziehungen zwischen den beiden Staaten führen.
Zweitens: Die Vereinbarung kann den Iran schwächen. Mit der vom Iran unterstützten Terrororganisation Hisbollah existiert im Libanon seit Jahrzehnten faktisch ein Staat im Staat. Sollte in Zukunft nur die libanesische Armee das Gewaltmonopol ausüben, würde das die staatlichen Institutionen stärken und den Einfluss des Iran zurückdrängen.
Drittens: Sollte die Hisbollah, wie in dem Abkommen vorgesehen, tatsächlich entwaffnet werden, würde das mehr Sicherheit für beide Seiten bedeuten. Für den Norden Israels, wo wegen der ständigen Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah Zehntausende Israelis ihre Häuser verlassen mussten. Und mehr Sicherheit für den Libanon, weil Israel die Militärschläge gegen die Hisbollah einstellen könnte und sich schrittweise aus dem Süden des Landes zurückziehen würde.
Doch es gibt auch eine nicht so gute Nachricht: Die Hisbollah selbst erklärt, dem Abkommen nicht zuzustimmen, und hat Sympathisanten zu Protesten auf die Straße geschickt. Die Terrororganisation wird um keinen Preis freiwillig ihre Waffen abgeben. Deshalb wird jetzt die alles entscheidende Frage sein, ob die Regierung und das Militär im Libanon wirklich den Willen und die Fähigkeiten besitzen, die Hisbollah einzudämmen und zu entwaffnen. Viele frühere Waffenstillstandsvereinbarungen sind an der praktischen Umsetzung gescheitert. Und doch: Heute ist ein Tag der Hoffnung auf etwas mehr Frieden im Nahen Osten.