München – Es war offenbar viel knapper, als viele dachten: DFB-Kapitän Joshua Kimmich (31) stand kurz vor einem Wechsel zu Paris St. Germain. In der neuen ZDF-Doku „sportstudio produktion: Kapitän Kimmich“ (ab dem 9.6. in der ZDF-Mediathek/am 20.6. nach dem WM-Spiel gegen die Elfenbeinküste im TV) spricht der Nationalmannschafts-Kapitän erstmals offen darüber, wie ernst es ihm mit einem Abschied vom FC Bayern war. Der Filmemacher Jan Mendelin hat Kimmich erneut über zwei Jahre mit der Kamera begleitet. Wie schon anlässlich der Heim-EM 2024 erscheint nun zur WM 2026 diese neue, sehr sehenswerte Doku.
Rückblick: Im Sommer 2024 geht Kimmich in sein letztes Vertragsjahr beim FC Bayern. Dem Klub, bei dem er seit 2015 unter Vertrag steht. Nach eigenen Angaben fehlte ihm damals die Wertschätzung der Bayern-Bosse. „Der Support des Vereins war nicht so da, wie man sich das erhofft oder wünscht.“ Seinen damaligen Unmut kann man in der Doku noch mal hautnah miterleben.
Kimmich beschreibt erstmals offen, wie er die Situation wahrgenommen hat. „Ich hatte das Gefühl, dass die Bayern sehr offen sind, mich abzugeben. Das trägt nicht dazu bei, dass die Bindung zwischen Verein und Spieler größer wird. Ich habe mich mit Max Eberl unterhalten. Der hat mir das dann auch noch mal bestätigt: ‚Wenn du weg möchtest, dann bist du zum Verkauf, dann ist das möglich.‘“
Damals sah alles nach einem Bayern-Ende aus! „Stand jetzt weiß ich nicht, was passieren sollte, dass ich hier verlängern würde“, sagt Kimmich im Sommer 2024. „Selbst wenn wir hier 30 Spiele in Folge gewinnen und das finanzielle Angebot Wahnsinn ist und der Verein voll hinter mir steht. Ich will es nicht zu 100 Prozent ausschließen, aber zu 95 Prozent sehe ich es nicht kommen, dass ich hier verlängere.“
Joshua Kimmich packt über Paris-Verhandlungen aus
Besonders deutlich wird Kimmich, wenn er über Paris St. Germain spricht, die ihn damals erst im Sommer 2024 verpflichten wollten und dann im Winter 2025 – sechs Monate vor Vertragsende – noch mal ernst machten.
„Mit Paris war ein Verein da, der sich sehr committet hat. Einer, den ich auch gar nicht so auf dem Zettel hatte. Ich habe mich schon mit dem Sportdirektor (Luis Campos/d.Red.) und dem Trainer von Paris (Luis Enrique/d.Red.) ausgetauscht. Wenn das Interesse groß ist, und ich muss sagen, die haben das wirklich gut gemacht und einem echt den Eindruck vermittelt, dass sie einen wirklich haben wollen, dann ist das schon so, dass man sich damit beschäftigt.“
Im Sommer zerschlug sich ein Wechsel. PSG machte dann im Winter 2025 aber noch mal richtig ernst. Was keiner weiß: PSG-Sportdirektor Campos besuchte den Bayern-Star sogar in seinem Münchner Haus. Kimmich: „Das hat mich schon gecatcht. Ich sollte da ein wichtiges Puzzlestück sein als ein Spieler mit etwas mehr Erfahrung. Und das macht dann schon was mit einem.“
PSG lud ihn ein. Weil Kimmich aber nicht einfach unerkannt in die französische Hauptstadt reisen konnte, um sich alles anzuschauen, flog seine Frau Lina im Februar 2025, wurde dort vom PSG-Teammanager empfangen. „Wir haben uns alles angeschaut. Schulen, Wohngegenden“, erzählt sie in der Doku. Lina traf ebenfalls Campos und auch Trainer Enrique am Trainingsgelände von PSG.
Kimmich: „Paris hat mir ein Angebot geschickt. Das Finanzielle war krass. Wirklich. Sehr, sehr krass, muss ich sagen. Ich wollte das aber nicht zum Ausschlaggebenden machen.“ Am Ende verlängert er doch in München. Warum?
Zum einen wegen Bayern-Trainer Vincent Kompany, der im Sommer 2024 übernimmt. Der neue Coach gibt ihm genau das, was ihm zuvor gefehlt hat. „Ich hab noch nie ein so großes Vertrauen gespürt, wie jetzt.“
Zum anderen spielt auch das Private eine entscheidende Rolle. „Es ist nicht so, dass ich Single bin und nur für meine Karriere entscheiden kann. Man hat auch die Verantwortung, für die Personen aus meiner Familie zu entscheiden und das Richtige zu tun.“
Durch die gestiegene Wertschätzung im Klub und den Erfolg unter Kompany entschied Kimmich am Ende mit der Familie zusammen, dass er doch bis 2029 verlängert. Zumal der FC Bayern ihm in den Gesprächen mit Max Eberl in Aussicht gestellt hat, dass er nach Manuel Neuer Kapitän des Klubs wird. Kimmich sagt am Ende der Doku – ausgerechnet nach dem Halbfinal-Aus gegen PSG im Mai dieser Saison: „Es war richtig, dass ich bei den Bayern verlängert habe.“
Am Ende hieß es: 100 Prozent Bekenntnis zu seinen Bayern statt zu 95 Prozent weg!