Berlin – Deutschland hat ein Rentenproblem – und die Zahlen sind alarmierend: Mehr als jeder fünfte Rentner und sogar mehr als jede zweite Rentnerin mit mindestens 45 Versicherungsjahren kam zuletzt allein mit der gesetzlichen Rente nicht über die Armutsgefährdungsgrenze. Die lag 2025 bei 1446 Euro im Monat. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.
Bundesweit erhielten im vergangenen Jahr 23 Prozent der Männer, die mindestens 45 Jahre versichert waren, eine Rente von weniger als 1446 Euro. In Baden-Württemberg lag der Anteil bei 16 Prozent. Ganz anders in Ostdeutschland: Dort lagen die Werte bei den Männern zwischen rund 36 und 41 Prozent.
Noch dramatischer ist die Lage bei den Frauen. Bundesweit landeten 52 Prozent der Frauen trotz mindestens 45 Versicherungsjahren mit ihrer Rente unter der Armutsrisikoschwelle. In Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt waren es sogar rund 54 Prozent.
Die Bundesregierung weist allerdings darauf hin, dass eine niedrige gesetzliche Rente nicht automatisch Armut bedeutet. In der Statistik sind weitere Einkünfte, Vermögen oder das Einkommen des Partners nicht berücksichtigt.
Die Linke sieht dennoch dringenden Handlungsbedarf. Die rentenpolitische Sprecherin Sarah Vollath (30) warnt: „Vorschläge, wie die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren, treffen genau die Menschen hart, die schon jetzt mit viel zu niedrigen Renten auskommen müssen.“
Immer mehr Rentner haben noch einen Job
Und dann kommt der nächste Hammer: Immer mehr Rentner arbeiten weiter. 2025 waren 14 Prozent der 65- bis 74-Jährigen trotz Altersrente erwerbstätig. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Ein Jahr zuvor waren es noch 13 Prozent. Männer arbeiten im Ruhestand häufiger als Frauen: 16 Prozent der Rentner hatten noch einen Job, bei den Rentnerinnen waren es 11 Prozent.
Besonders auffällig: Bei den 65- und 66-Jährigen arbeitete fast jeder Fünfte (19 Prozent). Bei den 73- und 74-Jährigen waren es immerhin noch 8 Prozent.
Die meisten Senioren arbeiten dabei nicht mehr Vollzeit. 40 Prozent kommen auf weniger als zehn Wochenstunden, weitere 25 Prozent arbeiten zwischen zehn und weniger als 20 Stunden. Und: 65 Prozent der abhängig beschäftigten Rentner waren geringfügig beschäftigt.