Rom – Zugriff auf Putins Schattenflotte! Italienische Marinesoldaten haben im Mittelmeer einen Tanker der russischen Schattenflotte geentert. Bewaffnete Spezialkräfte rasten mit Schnellbooten an den Tanker heran, kletterten über Leitern an Bord und sicherten das Deck. Über ihnen kreiste ein Hubschrauber. Das Ziel: Die MV SOUTH STAR (IMO 9263186) – ein von der EU sanktionierter Öltanker, der unter der Flagge Äquatorialguineas fährt und als Teil von Putins Schattenflotte gilt.
Der Einsatz gehörte zur EU-Mission EUNAVFOR MED IRINI. Die Soldaten prüften, ob der Tanker seine Flagge zu Recht führt, denn die MV SOUTH STAR wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach die Flagge – von den Marshallinseln über Guinea-Bissau, Kamerun und zuletzt Äquatorialguinea.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas (49) machte die Botschaft hinter der Aktion deutlich: „Jede illegale Fahrt trägt zur Aufrechterhaltung der russischen Kriegsmaschinerie bei“, schrieb sie auf X. Deshalb kombiniere die EU ihre Sanktionen jetzt mit „Maßnahmen auf See“, so Kallas weiter. Außerdem kündigte sie an, dass künftig neben der Mittelmeermission IRINI auch die Marineoperation ATALANTA verdächtige Schiffe der russischen Schattenflotte kontrollieren soll.
Die Spur führt zu Russlands Ölhäfen
Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes soll die MV SOUTH STAR wiederholt russisches Rohöl und Erdölprodukte aus den russischen Schwarzmeerhäfen Noworossijsk und Tuapse exportiert haben. Die Ukrainer werfen dem Schiff vor, sein Ortungssystem abgeschaltet, verdeckte Fahrten unternommen und Öl auf hoher See auf andere Schiffe umgeladen zu haben – um die Herkunft der Ladung zu verschleiern.
Nach der EU-Kontrolle am 20. Juli wurde der Tanker wieder freigegeben. Aktuelle Schiffsdaten zeigen, dass sich die MV SOUTH STAR inzwischen vor der Küste Tunesiens nahe dem Hafen von Tunis befindet.
Spannungen auf Europas Seewegen
Der Zugriff kommt in einer Zeit wachsender Spannungen auf Europas Seewegen: Erst Anfang der Woche hielt ein russisches Kriegsschiff im Ärmelkanal eine Übung mit scharfer Munition ab. Bereits zuvor berichteten britische Medien, dass russische Kriegsschiffe mutmaßliche Tanker der Schattenflotte durch den Ärmelkanal eskortieren. Die Botschaft der EU ist klar: Putins Schattenflotte soll künftig nicht mehr nur mit Sanktionen, sondern auch direkt auf See unter Druck gesetzt werden.