Rügen (Ostsee) – Klingt nach einem Schnäppchen, aber es steckt ganz schön viel Arbeit drin: Noch gleicht Ostervilm einem Lost Place, doch in den nächsten Jahren soll aus der Geisterinsel in der Ostsee die Wohlfühloase „Eden Island“ werden: Für das Projekt wollen die neuen Besitzer nun eine Genossenschaft gründen. Sie suchen rund 1000 Mitstreiter und bieten Anteile für 999 Euro an.
Bei einer Grundstücksauktion im Juni hatten der Projektentwickler Daniel Pflieger aus Hannover und der Österreicher Oliver Pesendorfer den Zuschlag für die frühere DDR-Entmagnetisierungsstation Ostervilm erhalten: für rund 60.000 Euro.
Lost Place muss komplett saniert werden
Dafür bekamen sie eine verlassene, 250 Quadratmeter große Militärplattform voller Vogelkot, Altlasten und mit einem verfallenen Gebäude auf insgesamt 600 Pfählen im Meer. Zu DDR-Zeiten ließ die Volksmarine hier Schiffe entmagnetisieren, damit sie nicht von Seeminen erkannt wurden. Allein um die Betonplattform zu sanieren, veranschlagen beide rund 1,5 Mio. Euro. Um die Summe aufzutreiben, wollen sie eine Genossenschaft gründen und bieten Anteile für 999 Euro an. Rund 1000 Enthusiasten werden gesucht.
Ostsee-Insel soll Sehnsuchtsort werden
Pflieger schreibt jetzt in den sozialen Medien: „Nach ein paar Umwegen ist es nun auch offiziell so weit: Wir haben die Insel tatsächlich gekauft! Und eine Genossenschaftsgründung angeschoben. Denn die Idee ist, die Insel gemeinschaftlich zu entwickeln. Es soll dort ein kreativer Sehnsuchtsort entstehen, mit Ruhe, Perspektive und Abgeschiedenheit. Für Künstler, Musiker, Unternehmer“
Pläne, aus Ostervilm eine Hochzeitslocation zu machen, haben die beiden bereits verworfen: Fürs Ja-Wort gäbe es auf dem Touristenhotspot Rügen genug Locations. Sein Mitstreiter Oliver Pesendorfer besichtigte am Freitag das zugige Refugium zum ersten Mal: „Die Mitglieder werden nicht nur symbolische Inselbesitzer, sondern erhalten echte Mitspracherechte bei der Entwicklung des Projekts, Vorzugsrechte bei der späteren Nutzung der Insel und sollen perspektivisch auch wirtschaftlich am Erfolg der Genossenschaft beteiligt werden“, teilte er bei dem Besuch Medienvertretern mit.
Ein Anlegesteg muss gebaut werden
Auch die Vorbesitzer hatten Pläne, das Areal in einen Kultur- und Kunstraum auf der Ostsee zu verwandeln, gaben aber schließlich auf. Denn der Umbau ist teuer, da keinerlei Infrastruktur existiert und sämtliche Materialien über das Wasser transportiert werden müssen. Die neuen Inselbesitzer wollen zunächst einen Anlegesteg errichten, um überhaupt Container und Maschinen nach Ostervilm bringen zu können. Pflieger kommentiert im Netz: „Es ist viel zu tun, das sieht man. Aber ich hab Bock! Falls Du auch Lust auf ein besonderes Projekt haben solltest, schreib mir. Auch Du kannst Inselbesitzer werden, für lächerliche 999,-€ bekommt man einen Anteil an der Genossenschaft.“ Die Idee hat schon einen verlockenden Namen: „Eden Island“. Bis es ein Paradies wird, kann es aber noch eine Weile dauern.