Dessau-Roßlau – Sie ist für viele das Symbol jahrzehntelanger Unterdrückung: die DDR-Nationalhymne. AfD-Co-Chef Tino Chrupalla (51) und der Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund (35) hielt das nicht davon ab, sie zum Abschluss einer Veranstaltung zu singen. Die Politik reagiert entsetzt und auch die BILD-Leser diskutieren seitdem heftig.
Eine Mehrheit von 52 Prozent der BILD-Leser findet es nicht okay, wenn Politiker öffentlich die DDR-Hymne singen, 43 Prozent haben damit kein Problem. Vier Prozent sind unentschlossen. Das ist das Ergebnis bis Mittwochnachmittag um 14.45 Uhr.
Unter den BILD-Lesern gehen die Meinungen auseinander. Kathleen Heller schreibt: „Es gibt überhaupt keinen Grund, dieses Lied nicht zu singen. ,Deutschland einig Vaterland‘ ist doch gerade heute, bei dieser gespaltenen Gesellschaft aktueller denn je.“
Ein knallhartes Nein kommt von Marcel Dietrich: „Es ist eine bewusste Provokation und soll Ostwähler zur AfD locken. Genauso könnten sie die erste und zweite Strophe des Deutschlandliedes singen.“
Auch Jens Richter kritisiert den Vorfall: „Mal abgesehen davon, dass in der DDR nicht alles schlecht war, war die DDR sicher kein Staat, dem man heute huldigen sollte. Ich will sie sicher nicht zurückhaben!“
Scharfe Kritik vom Kanzleramtschef
Evelyn Zupke (64), Bundesbeauftragte für die Opfer der SED, ist schockiert: „Wer die Hymne der SED-Diktatur heute fröhlich zelebriert, verhöhnt jeden, der in ihrem Namen verfolgt, verhaftet und gebrochen wurde. Die Opfer der DDR haben kein 'Auferstanden aus Ruinen' erlebt, sondern das Gefangensein hinter Mauern.“
CDU-Kanzleramtschef Thorsten Frei (52) sagt bei „WELT TV“ (gehört wie BILD zu Axel Springer): „Ich finde das extrem befremdlich. Insbesondere dann, wenn das von politischen Repräsentanten gemacht wird, die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten.“
Johannes Beleites (59), Aufarbeitungsbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt, erklärte: „Das ist eine Missachtung der Opfer der SED-Diktatur und eine Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben.“