Berlin – Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) fordert von den Deutschen mehr Arbeit. „Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes nicht erhalten“, sagte er. Doch in Kanzleramt und Ministerien gelten großzügige Homeoffice-Regeln, ganz wie in der Corona-Zeit.
Im Verteidigungsministerium von Boris Pistorius (66, SPD) gibt es keine Obergrenze für „mobiles Arbeiten“. Dort rühmt man sich der „vielfältigen Modelle der Arbeitszeitgestaltung“. „Ziel ist es, dienstliche und familiäre Anforderungen so weit wie möglich flexibel gestalten und in Einklang bringen zu können“, teilte das Ministerium BILD mit. Mitarbeiter sind nicht mal „an einen fest eingerichteten Bildschirmarbeitsplatz gebunden“. Bedeutet: Sie könnten auch vom Strand aus arbeiten.
Im Gesundheitsministerium von Nina Warken (47, CDU) gilt die „Mallorca-Regelung“ (mobiles Arbeiten aus dem europäischen Ausland), wie Spötter sie intern nennen, bislang „im Einzelfall“. Und auch im Bundesjustizministerium von Stephanie Hubig (57, SPD) ist Arbeiten aus dem Ausland möglich. Hier muss allerdings der Chef zustimmen. Auf BILD-Anfrage heißt es, ein solcher Wunsch werde bewilligt, „wenn besondere private Umstände vorliegen“.
Im Familienministerium von Karin Prien (60, CDU) dürfen Mitarbeiter „nach vorheriger Anzeige“ aus dem EU-Ausland und der Schweiz arbeiten. Heißt: Sie müssen ihre Abwesenheit lediglich vorher ankündigen. Im Entwicklungshilfeministerium von Reem Alabali Radovan (36, SPD) ist Arbeiten aus dem EU-Ausland und der Schweiz „kurzzeitig“ erlaubt.
Urlaub und Krankheit gelten als Präsenz
Im Kanzleramt und auch im Umweltministerium von Carsten Schneider (50, SPD) ist sogar 100 Prozent Homeoffice grundsätzlich möglich. Insider verrieten BILD, dass diese Regelung im Kanzleramt nur selten ausgenutzt wird. Denn dort arbeiten die Beamten meist nur wenige Jahre – und wollen sich bei der Bundesregierung profilieren. Da hilft Präsenz am Arbeitsplatz.
Im Auswärtigen Amt von Johann Wadephul (63, CDU) gilt eine moderate 40-Prozent-Regel, im Innenministerium sind bis zu 60 Prozent Homeoffice erlaubt. Brisant: Urlaub und Krankheit werden dort als Präsenztage angerechnet.
Dennis Radtke (47, CDU), Vorsitzender des Arbeitnehmerflügels der Union (CDA), warnt: „Wir müssen aufpassen, dass sich die Bundesministerien nicht zu einem Paralleluniversum entwickeln, das mit der Wirklichkeit im Rest des Landes nichts mehr zu tun hat. Wir haben eine extrem schwierige Reformdebatte vor der Brust. Am Ende werden wir nur Akzeptanz dafür bekommen, wenn jeder einen Beitrag leistet.“