Handball ohne Harz, das geht nur in Schul-Turnhallen. In höheren Klassen, erst recht bei Profis, geht dagegen nichts ohne den Klebstoff. Das Haftmittel sorgt für besseren Grip und erleichtert Fangen, Passen und Werfen. Das Spiel wird dadurch schneller und technisch anspruchsvoller, spektakuläre Trickwürfe wie Dreher werden überhaupt erst leichter möglich. Doch für einen Bundesliga-Star wird sein Job dadurch vor allem schwieriger.
Kein Witz: Simon Möller, schwedischer Torwart des aktuellen Tabellendritten SG Flensburg-Handewitt, leidet an einer Harz-Allergie! Eine ungünstige Kombination: Handball-Profi und allergisch gegen das Zeug, ohne das in seiner Sportart kaum ein Ball fliegt. Möller, der vor der Saison von Fenix Toulouse kam, hatte seine Allergie schon beim Heimatklub IK Sävehof (2017–2024).
Handball: Simon Möller von der SG Flensburg-Handewitt hat eine Harz-Allergie
Möller damals: „Ich bin allergisch gegen Haftmittel. Deshalb tape ich meine Hände. Das Harz verursacht bei mir wunde Stellen, auch wenn es mich nicht zu sehr beeinträchtigt. Dennoch ist es als Handballer keine besonders praktische Allergie.“ Seine Leistung scheint davon nicht beeinträchtigt zu werden: Mit einer Paradenquote von 32,4 Prozent liegt er in der Opel HBL auf Rang 2 hinter Nationalkeeper David Späth von den Rhein-Neckar Löwen, der auf 32,7 Prozent kommt. Möller ist einer der Garanten dafür, dass Flensburg im Titelrennen mitmischt. Erst am vergangenen Spieltag gab es beim starken VfL Gummersbach die erste Saisonpleite (30:31).
Davor war Möller mit 14 Paraden mit dafür verantwortlich, dass die SG das Topspiel gegen die Füchse Berlin mit 34:33 gewonnen hatte. Nach dem Spiel erklärte der Schwede gegenüber BILD die Folgen seiner Allergie: „Ich habe dann sehr schmerzende und trockene Hände, und es können kleine Risse in den Händen entstehen. Aber das ist nichts, worauf ich besonders viel Wert lege, und ich rede nicht besonders gerne darüber.“
Schuld an Möllers Problemen: das Kontaktallergen Kolophonium, das Ekzeme, Juckreiz oder Hautrötungen verursacht. Es ist ein festes Baumharz (Kiefer, Fichte oder Tanne). Es besteht überwiegend aus Harzsäuren (vor allem Abietinsäure). Dass es Möller mit seiner Haftmittel-Unverträglichkeit jetzt viel besser geht als früher, liegt daran, dass in der Bundesliga nur noch synthetisches Harz verwendet wird. Oft wird dieses allergikerfreundlich und kolophoniumfrei entwickelt.