Randa (Schweiz) – Ein gigantischer Eisblock hängt über dem idyllischen Bergdorf Randa und rutscht langsam talwärts. Neuschnee könnte die Lage verschärfen und im schlimmsten Fall ein Lawinen-Drama auslösen. Experten beobachten die Entwicklung am Hängegletscher Ost des 4505 Meter hohen Weisshorns im Wallis sehr genau.
Es ist ein eisiger, 250.000 Tonnen schwerer Koloss, der das rund neun Kilometer von Zermatt entfernt liegende Bergdorf bedroht.
Der Eisblock steht unter Dauerkontrolle
Die kleine Gemeinde (450 Einwohner) in den Alpen ist alarmiert. Bereits im August wurden stark erhöhte Bewegungen der Eismassen am Gletscher festgestellt. Die Warnstufe wurde auf 3 des insgesamt vierstufigen Warnsystems erhöht – Dauerkontrolle des Eisblocks!
Sperrzonen, die nicht betreten werden dürfen, wurden vorsorglich ausgewiesen. Stufe 4 inklusive Evakuierung wird ausgelöst, wenn ein Abbruch unmittelbar bevorsteht. Die Gemeinde warnt auf ihrer Homepage bereits seit Wochen: „In den kommenden Tagen sind Abbrüche mit einer möglichen Reichweite bis in den gekennzeichneten Gefahrenbereich möglich.“
Das sagen die Lawinen-Experten
Noch ist alles gutgegangen. Doch die Gefahr wächst von Tag zu Tag. Laut Norbert Carlen, Ingenieur für Naturgefahren beim Kanton Wallis, zeigt der Eisblock „eine ununterbrochene Dynamik“: Er schiebe sich derzeit mit bis zu 20 Zentimetern pro Tag talwärts, sagte er gegenüber dem „Walliser Boten“.
Besonders brisant: Schnee könnte die drohende Lawine noch gewaltiger machen! Denn auf dem flacheren Plateau des Bisgletschers unterhalb des Eisblocks könnten sich in den kommenden Wochen ein Meter oder sogar noch mehr Neuschnee ansammeln. Bricht der Eisblock ab, würde er die Schneemassen mitreißen. Carlen befürchtet: „Wenn der ganze Block abbrechen würde, nimmt dieser den Schnee, der darunter auf dem Plateau liegt, sicher mit.“
Das könnte verheerende Folgen haben. Die Schweizer Zeitung „Blick“ zitiert Stefan Margreth, Experte für Lawinenschutz am Institut für Schnee- und Lawinenforschung: „Das extremste Szenario wäre, wenn der Eisblock abrutscht und zusätzlich eine hohe Lawinengefahr herrscht.“
Die Folge: Eine solche Lawine könnte nicht nur mehr Masse mit sich führen, sondern auch mit größerer Wucht und über eine größere Distanz ins Tal donnern. Weitere Lawinen könnten ausgelöst werden. Margreth: „Wenn die Eislawine bei geringer Lawinengefahr auftritt, haben wir eine stabile Schneedecke. Da ist die Gefahr einer großen Kettenreaktion relativ klein.“
So groß ist die Gefahr
Das Bergdorf Randa behält die Gefahr aber im Blick – auch wenn das schlimmste Szenario nach Einschätzung des Experten aktuell noch eher unwahrscheinlich ist. Denn die Natur und das Wetter haben ihre eigenen Spielregeln.