Politik

FDP nach Parteitag tief gespalten: Ein Desaster für Wolfgang Kubicki (Kommentar)

FDP nach Parteitag tief gespalten: Ein Desaster für Wolfgang Kubicki (Kommentar)
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Die FDP brauchte auf diesem Parteitag vor allem eine inhaltliche wie strategische Richtungsentscheidung: Will sie um die Wähler von SPD und Grünen buhlen? Oder wird sie wieder zu einer attraktiven Alternative für die Wähler von Union und AfD? Der Demokratie täte es jedenfalls nicht schlecht, bekäme die AfD etwas liberal-konservativen Wettbewerb.

Doch genau diese Klarheit hat der Parteitag nicht geschaffen. Im Gegenteil: Für alle außer Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68), die mit einer Kandidatur den Parteitag überraschte, endet das Wochenende in einem mittelgroßen Desaster. Denn obwohl der neue Parteichef Wolfgang Kubicki heißt, gibt es keine Kubicki-FDP.

Rund 40 Prozent der Delegierten stellten sich gegen ihn. Diese 40 Prozent wirken nach dem Parteitag nicht geschwächt. Sie haben gezeigt, dass sie einen erheblichen Teil der Partei repräsentieren, und werden ihren eher linksliberalen Kurs nun mit zusätzlichem Selbstbewusstsein vertreten.

Auch neuer FDP-General geschwächt

Auch der neue Generalsekretär Martin Hagen (44) ist geschwächt. Strack-Zimmermann stellte ihn in ihrer Rede unter Applaus als Spalter hin, der abfällige Berichte über Parteifreunde im Netz verbreitet. Bei einem 90-zu-10-Ergebnis wäre das verkraftbar, bei einem 60-zu-40-Resultat ist es eine massive Belastung.

Insgesamt hat das Team Kubicki wenig strategische Voraussicht bewiesen, indem es sich von Strack-Zimmermann offenbar blind überraschen ließ. Rückblickend wäre es schlauer gewesen, den ersten Kubicki-Herausforderer Henning Höne (39) unbedingt im Rennen zu halten, um Strack-Zimmermanns Kandidatur zu verhindern.

Kein gutes Zeichen für Wahlkämpfe

Dass der neuen Führungsmannschaft ein Parteitag entgleitet, ist kein gutes Zeichen für die nächsten Wahlkämpfe. Die FDP bleibt zerrissen, teils sogar unversöhnlich. Dabei kann sich eine Partei, die bei drei bis vier Prozent rangiert, eigentlich keine Flügelkämpfe erlauben.

Womöglich wäre es erfolgversprechender, sich aufzuspalten, anstatt in einer Partei gegeneinander zu kämpfen. Die große Freundschaft wird, trotz aller Bekundungen, nicht mehr einkehren.

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