Berlin – Eigentlich war alles vorher ausgemacht worden: FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki sollte beim Bundesparteitag am Samstag zum neuen Chef der Liberalen gewählt werden. Doch plötzlich wird verkündet, dass Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegen Kubicki antritt. Rumms! Teile des Saals brechen in Jubel aus, applaudieren wild über die Kampfkandidatur Strack-Zimmermanns. Kubicki reagiert mit einem Pokerface.
Plötzlich ist Feuer in der Halle: Kubicki tritt zu seiner Vorstellungsrede auf die Bühne, ebenfalls unter tosenden Applaus. Kubicki cool: „Ich bin froh, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt antreten!“ Die Kampfkandidatur hat weite Teile der Partei kalt erwischt. Im Vorfeld des Parteitags war nicht die Frage ob, sondern nur mit welchem Ergebnis Kubicki gewählt wird. Strack-Zimmermann wurde auf dem Parteitag von 33 Delegierten vorgeschlagen.
Kubicki gilt in der FDP als Rechtsliberaler, Strack-Zimmermann steht eher fĂĽr eine sozialliberale Ausrichtung und ist im Europaparlament Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Die beiden gelten parteiintern seit langem als Kontrahenten.
Kuhle irritiert von Kubickis AfD-Haltung
Schon zuvor hatte es Kritik an der Haltung Kubickis zum Umgang mit der AfD gegeben. Der frühere FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle (37) zeigte sich in seiner Rede vor den Delegierten in Berlin „verwundert“ darüber, dass Kubicki und sein designierter Generalsekretär Martin Hagen (44) eine Debatte über eine Abkehr von der „Brandmauer“ losgetreten hätten.
„Es gibt Leute, die maximal irritiert sind über unsere Diskussion über die AfD“, sagte Kuhle. „Es darf keine indirekte und direkte Zusammenarbeit mit der AfD geben“, forderte der niedersächsische FDP-Politiker. Dafür erhielt Kuhle starken Beifall der Delegierten.
Kampfkandidatur kommt ĂĽberraschend
Kurz vor der Kandidatur beriet sich Strack-Zimmermann noch mit ihrem Büroleiter in einer dunklen Nische hinter Bühne. Offenbar wurden hier die letzten Details ihrer Revolte besprochen. Das Kubicki-Lager bestätigte auf BILD-Nachfrage, dass man im Vorfeld nichts von Strack-Zimmermanns Kampfkandidatur wusste. Auch für den Großteil der Delegierten kam die Kandidatur völlig unerwartet, das Lager von Strack-Zimmermann hat den Plan offenbar gut geheimgehalten.
Fakt ist: Der bislang eher vor sich hin plätschernde Parteitag steht jetzt unter Starkstrom! Die Abstimmung der Delegierten wird für den Nachmittag erwartet.