Bis vor wenigen Wochen war er noch Technischer Direktor bei Ghanas Fußball-Verband, wurde aber kurz nach der Entlassung von Chefcoach Otto Addo (51) Ende März trotz erfolgreicher WM-Qualifikation ebenfalls freigestellt. Statt vor Ort in den Staaten, Mexiko oder Kanada verfolgt der deutsche Kult-Trainer Winfried Schäfer (76) die Weltmeisterschaft jetzt als Experte für den iranischen TV-Sender GEM (nur per Satellit empfangbar) im türkischen Antalya.
Nach dem trostlosen 0:0 der Engländer gegen Ghana lässt er kein gutes Haar an Briten-Trainer Thomas Tuchel (52) und seinen Jungs. Der „weiße Winni“ konsterniert: „Eine unterirdische Leistung. Da verfügen die Engländer mit Harry Kane über den weltbesten Torjäger, der zudem noch den perfekten letzten Pass spielen kann. Und dann so was! Sie hatten einfach keinen Plan, haben wie beim Handball nur um den Strafraum rumgekickt. Und Kane nahezu keine Chance zum Torschuss oder Dribbling in der Box gegeben. Ein einziger, zufälliger Abschluss – grausam!“
Und weiter: „Ghana hat’s genau richtig gemacht. Die Truppe kann konsequent verteidigen, hat tief gestanden und alles mühelos abgeblockt. Mich hätte es wirklich nicht gewundert, wenn sie mit einem schnellen Konter die Partie sogar noch gewinnt.“
Was für Schäfer nicht einmal unverdient gewesen wäre. „Wie die Briten aus 78 Prozent Ballbesitz und einer Pass-Quote von 475 zu 78 keinen Profit schlagen können, ist mir ein Rätsel. Das war schon beschämend. Tuchel fehlte schlichtweg die taktische Idee.“
Gehörte England nach dem viel umjubelten Auftaktsieg gegen die Kroaten (4:2) noch zum erweiterten Kreis der Mitfavoriten, sind sie in „Winnis“ Augen nach dem Ghana-Auftritt nun meilenweit davon entfernt. „Wenn die Engländer im letzten Gruppenspiel gegen Panama nicht schleunigst wieder ihre Kroaten-Form zeigen, sind sie vom Titel meilenweit entfernt,“ ist der „Fußball-Globetrotter“ (Schäfer war u.a. schon Nationaltrainer von Kamerun, Thailand und Jamaika) felsenfest überzeugt.