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Einsatz-Blitzer: Kluger Richter rettet Feuerwehrmann vor Fahrverbot

Einsatz-Blitzer: Kluger Richter rettet Feuerwehrmann vor Fahrverbot
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Eilenburg (Sachsen) – 34 Jahre lang war er da, wenn es gebrannt hat: Ray Lange (55) hat als Feuerwehrmann für seine Heimat immer alles gegeben. Bis er im Einsatz geblitzt wurde und die Stadt ihn wie einen rücksichtslosen Raser bestrafen wollte. Da sah Lange sich in seiner Ehre verletzt und schmiss sein Amt als Retter hin.

Weil er sich gegen seinen Bußgeldbescheid gewehrt hatte, wurde dem ehemaligen Feuerwehrmann zudem am Dienstag der Prozess vor dem Eilenburger Amtsgericht gemacht. Doch nach zweieinhalb Stunden kam es zum Freispruch: Ausgerechnet der Richter selbst rettete den Retter mit einer spitzfindigen Beobachtung!

Eigene Stadt forderte 368,50 Euro von Retter

Lange, der, nachdem er den Bußgeldbescheid von der eigenen Stadt bekommen hatte, aus der Tauchaer Feuerwehr ausgetreten war, hatte in der Verhandlung teilweise mit den Tränen kämpfen müssen. Am 7. Mai 2025 fuhr er mit der Drehleiter zur Interimsgrundschule, nachdem die Brandmeldeanlage ausgelöst wurde. Er war mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs. Um 15.27 Uhr passierte es auf der Sommerfelder Straße: Der Feuerwehrmann wurde geblitzt. Nach Abzug der Toleranz wurden 69 km/h bei erlaubten 30 gemessen – 39 km/h zu schnell. Es folgte ein Bußgeldbescheid der Stadt Taucha in Sachsen – 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot und 368,50 Euro Bußgeld.

Richter recherchierte selbst

Dass Lange nun nicht zahlen muss, hat er dem Amtsrichter zu verdanken: Der bemerkte bei seinen Recherchen nämlich einen entscheidenden Fehler, der bislang nicht mal der Verteidigung Langes aufgefallen war. „Das Verkehrsschild, das auf Tempo 30 hinwies, hatte keine Rechtsverbindlichkeit“, erklärte Dr. Peter Gottschaldt (42), der auf einen Baustellenverkehrszeichenplan hinwies, in dem das Schild zum Zeitpunkt des Blitzers nicht vermerkt war. Heißt: Offiziell hätte an dem Tag Tempo 50 gegolten und Langes Überschreitung von nunmehr nur 19 km/h sei wegen des Notfalleinsatzes unter Blaulicht gerechtfertigt.

Ray Lange will trotzdem nicht in den Feuerwehrdienst für Taucha zurückkehren. „Ich werde nicht für das Stadtoberhaupt arbeiten, das mich erpressen wollte“, sagt er. Der Brand, der Langes letzter Einsatz als Feuerwehrmann werden sollte, war letztlich wenig spektakulär: Es hatte sich später herausgestellt, dass die Brandmeldeanlage wegen eines überhitzten Lüfters Alarm ausgelöst hatte.

Wie viel darf die Feuerwehr im Einsatz zu schnell fahren?

Eine klare Regel gibt es dafür nicht, eher eine Faustformel, so der renommierte StVO-Experte Prof. Dr. Dieter Müller (66). Über Fahrten mit Sonder- und Wegrechten sagt er: „Als Faustregel gilt innerhalb von Ortschaften eine zulässige Überschreitung von 50 Prozent.“ Heißt: Der Feuerwehrmann hätte bei erlaubten 30 km/h nur 45 km/h fahren dürfen. Bei 50 km/h wären jedoch bis 25 km/h Überschreitung tolerierbar. Viele Einsatzkräfte wüssten das nicht, weil sich Kommunen Schulungen sparen.

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