Politik

Eine Deutsche erzieht die Söhne von Wladimir Putin

Eine Deutsche erzieht die Söhne von Wladimir Putin
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Moskau – Sie sind die Söhne von Wladimir Putin und seiner Geliebten Alina Kabaeva: Ivan und Wladimir. Geboren 2015 und 2019 sind die Jungs noch im Grundschulalter – und lernen laut einer „Systema“-Recherche (gehört zu Radio Free Europe/Radio Liberty) seit einiger Zeit fleißig Deutsch und Englisch. Den Unterricht lässt sich Putin einiges kosten: Rund 3,5 Millionen Rubel (umgerechnet 42.430 Euro) soll er im Januar für Sprachlehrer ausgegeben haben. Das Ziel: Seine Söhne sollen klingen wie „gebildete Europäer“.

Die Journalisten werteten Dokumente und E-Mails aus, die belegen sollen, dass Putins Söhne Anfang 2026 mindestens drei Privatlehrer gehabt haben: Sofia B. aus Bosnien und Herzegowina, Irene E. aus Deutschland und Carol R. aus Südafrika. Im Mai 2026 soll Carol R. allerdings gekündigt haben. Die Gründe: unbekannt. Offiziell sind sie als „führende Übersetzer“ am Professional Retraining Institute des Sogaz International Medical Center beschäftigt.

Das Zentrum steht mit Putin-Freund Juri Kowaltschuk (74) und der Putin-Tochter Maria Woronzowa (41) in Verbindung. Es verschaffte den Sprachlehrern offenbar Visa als „hochqualifizierte Spezialisten“. Laut der Recherche steht in ihrem Vertrag ein Grundgehalt von 167.000 Rubel (umgerechnet 2023 Euro). Viel Geld für russische Verhältnisse – Boni noch nicht eingerechnet.

Mails gehen über Kabaeva-Cousinen

Die Korrespondenz mit ihnen geht allerdings nicht direkt über Kabaeva, sondern über die Mailadressen ihrer Cousinen. Weder ihr Name noch der von Putin werden in den Dokumenten genannt, die Kinder heißen fast immer nur „Schützlinge“. Eine der Cousinen forderte 2019 laut den Dokumenten, Ivan müsse ab vier Jahren dauerhaft in ein „Sprachbad“ eintauchen. Sein Englisch solle klingen wie „die Sprache eines gebildeten Europäers“.

Bemerkenswert ist aber vor allem, was die Lehrer nicht tun sollen. Konkret heißt es: „Drängen Sie dem Schützling niemals Ihre religiösen, politischen oder ideologischen Ansichten auf. Sprechen Sie Themen im Zusammenhang mit sexuellen Beziehungen oder Sexualerziehung nicht an, ohne zuvor den Arbeitgeber zu konsultieren. Unter keinen Umständen dürfen LGBT-bezogene Themen besprochen werden.“ Gleichgeschlechtliche Liebe – ein absolutes Tabu!

Waldai als abgeschirmter Arbeitsplatz

Und auch sonst sind die Vertragsbedingungen nicht sonderlich arbeitnehmerfreundlich. Vor der Einstellung mussten sich die Privatlehrer laut Bericht medizinisch untersuchen lassen – ebenso wie nach Reisen. Wer länger als drei Wochen krank ist, muss mit seiner Kündigung rechnen. UND: Täglich muss mehrfach Bericht erstattet werden – vorgeblich an Kabaevas Cousinen.

Auch das Verlassen des Familiendomizils in Waldai ist den Privatlehrern nicht gestattet. Im Jahr 2022 schrieb eine Lehrerin von „Quarantäne-Bedingungen“, eine andere berichtete, sie habe drei Monate für Putin gearbeitet ohne zu wissen, dass er ihr Arbeitgeber war: „Ich war einfach jemand, der tat, was man ihm sagte“.

Vielleicht verpasst