Berlin – Es ist ein unscheinbares beiges Backsteingebäude der Charité im Wedding, in dem der amerikanische Arzt Peter Stafford (39) überlebte. Im Kalten Krieg war es für die Behandlung einer befürchteten Pocken-Epidemie gebaut worden, jetzt ist es eines von deutschlandweit sieben Zentren für die Behandlung von Ebola-Patienten.
Die Sicherheitsvorkehrungen sind massiv. Das Areal ist weiträumig abgesperrt, bewacht. Ein großes gelbes „Sperrzone“-Schild hängt am Eingangstor.
Drinnen gibt es Schleusen, durch die Ärzte und Pfleger nur mit Schutzanzügen gehen dürfen. Unterdruck sorgt dafür, dass das Virus nicht aus dem Patientenzimmer austreten kann. Sogar alle Abwässer werden abgekocht, um alle Krankheitserreger zu töten, Abluft wird aufwendig gefiltert.
Stafford, ein Chirurg, hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit Ebola infiziert. In dem bettelarmen Land hatte er gemeinsam mit seiner Frau Rebekah, einer Gynäkologin, den Ärmsten der Armen geholfen. Beide sind gläubige Christen und waren mit ihren vier Kindern, ein bis sieben Jahre alt, nach Afrika gegangen. Für diesen selbstlosen Akt bezahlte er fast mit dem Leben. Etwa 40 Prozent der mit der Bundibugyo-Ebola-Variante infizierten Patienten sterben.
„Es ist gelungen, aus diesen Abwehrstoffen ein hochwirksames Medikament zu entwickeln“
Der Charité-Infektiologie-Professor Leif Erik Sander (49) leitete die Rettungsmaßnahmen, erzählt BILD nach der Rettung des Arztes, wie das gelang. „Der Patient hat ein Antikörperpräparat bekommen. Das ist noch nicht zugelassen und wurde nur ganz wenigen Menschen auf der Welt bislang gegeben.“
Das Medikament basiert auf Antikörpern von Menschen, die eine Ebola-Infektion überlebt haben, erklärt der Professor. Deren Immunsystem hat Abwehrstoffe gebildet, um neue Ebolaviren neutralisieren zu können. „Es ist gelungen, aus diesen Abwehrstoffen ein hochwirksames Medikament zu entwickeln“, so Sander.
Stafford war in einer luftdicht abgeschlossenen Liege mit einem Spezialflugzeug aus Afrika nach Berlin ausgeflogen worden. Es war eine kleinere Maschine, die einmal zwischentanken musste. Auch seine Familie musste in Berlin in Quarantäne bleiben, bekam die Antikörper präventiv. Denn besonders Kinder sind sehr gefährdet. Sander: „Bei kleinen Kindern kann Ebola sehr schnell zum Tode führen. Und da waren wir wirklich alle sehr besorgt.“ Zum Glück brach das Virus bei den Kindern und der Frau nicht aus.
So ein Schutz-Zentrum wie in Berlin für den Tag X ist sehr teuer. Für den Fall der Fälle muss Geld in die Hand genommen werden. „Wir sprechen viel mit der Politik über das Thema Gesundheitssicherheit und hoffen, dass sie uns vielleicht jetzt noch ein bisschen besser zuhören, weil sie sehen: unerwartete Situationen mit gefährlichen Erkrankungen oder anderen Großschadenslagen können eintreffen“, sagt Sander.
Ihm ist bewusst, dass dieser extreme Aufwand für einen einzigen Patienten im Kongo, wo das Virus grassiert, absolut utopisch ist. Da fehle es oft sogar an einfachen Schutzhandschuhen. Er hofft, dass die Kongolesen mehr Hilfe bekommen, basale Versorgung, aber auch die Möglichkeit zur Antikörpertherapie, die seinem Arztkollegen womöglich das Leben rettete. „Dort unten fehlt es an den einfachsten Dingen“, sagt Sander.
Der mutige Chirurg Peter Stafford plant übrigens nach seiner Genesung genau dorthin zurückzukehren, wo die Menschen seine Hilfe brauchen: in die Demokratische Republik Kongo.