Der Jobabbau in der deutschen Autobranche geht weiter. Am Mittwoch verkündeten zwei wichtige Zulieferer Kürzungsprogramme – jeweils ohne betriebsbedingte Kündigungen, aber mit deutlichen Einschnitten.
Beim Herzogenauracher Automobilzulieferer Schaeffler fallen 1800 Stellen durch Altersteilzeit weg. Bei der VW-Tochter IAV soll die Zahl der Mitarbeiter bis Ende 2027 um 40 Prozent auf 2970 sinken. Demnach werden knapp 2000 Stellen über ein nach längerem Streit vereinbartes Abfindungsprogramm abgebaut.
Bei der VW-Tochter, die vor allem im Bereich der Fahrzeugentwicklung tätig ist, beklagt die Gewerkschaft IG Metall besonderen Druck bei den Verhandlungen um das Sanierungspaket. Während der Verhandlungen habe die Unternehmensleitung wiederholt mit einem Insolvenzverfahren gedroht, erklärte die Gewerkschaft in einer Mitteilung.
IG Metall hat Rückkehr zur 40-Stunden-Woche verhindert
VW ist mit 50 Prozent größter Anteilseigner bei IAV. Der Konzern habe die weitere Unterstützung des 1983 als Ausgründung aus der Freien Universität Berlin gegründeten Unternehmens von einer Einigung abhängig gemacht. Mit der Vereinbarung sollten nun neue Aufträge eingeholt werden. Das Unternehmen äußerte sich zur Darstellung der Gewerkschaft zunächst nicht. IAV hatte bereits Einschnitte angekündigt.
Weiterhin schreibt sich die IG Metall auf die Fahnen, bei IAV eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ebenso wie Einschnitte in die Gehälter verhindert zu haben. Solche Schritte fordert derzeit auch Mercedes-Chef Ola Källenius.
Die Gewerkschaft will hart bleiben: „Wir dürfen den Tarifabschluss nicht mit der unternehmerischen Entscheidung zum Stellenabbau vermischen“, begründete IG-Metall-Verhandlungsführer Thilo Reusch die Verweigerung von Kostensenkungen in diesem Bereich.
Bei IAV herrsche künftig ein Kündigungsschutz, sofern bis zum Sommer 2028 die angestrebte Mitarbeiterzahl erreicht werde. „Das gibt den Menschen eine gewisse Verlässlichkeit in einer Phase, die von großen Sorgen geprägt ist“, erklärte Gewerkschafter Reusch. Allerdings ist noch unklar, welche Gruppen ein Abfindungsangebot bekommen.
Besonders Mitarbeiter am Stammsitz Berlin könnten gewillt sein, das Unternehmen zu verlassen. Dort soll der Standort sehr deutlich verkleinert und Jobs ins niedersächsische Gifhorn verlagert werden.
Der VW-Konzern hatte zuletzt Entwicklungskapazitäten in China aufgebaut. Fahrzeuge für den dortigen Markt können nun komplett in dem Land entwickelt werden – unabhängig von deutschen Ingenieuren. VW-Chef Oliver Blume strebt ein Sparpaket an, das im Konzern bis zu 100.000 Jobs in Deutschland kosten könnte. Dazu gehört auch, bei zugekauften Leistungen – wie denen von IAV – zu sparen.
Auch der Zulieferer Schaeffler ist schon länger auf Sparkurs. Schon Ende 2024 hatte der Konzern 4700 Stellen in Europa gestrichen, davon 2800 in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Mitarbeiterzahl weltweit um 1900 auf knapp 109.000.
Das Unternehmen will nun Jahrgängen bis 1971 ein Angebot zur Altersteilzeit machen. Die Erwartung sei, dass ein Fünftel dieser Mitarbeiter das Angebot annehme. Ab 2027 werde Schaeffler so Geld sparen. Das Angebot sei mit dem Betriebsrat abgestimmt.
„Mit unserem Angebot zur Altersteilzeit reagieren wir auf das hohe Interesse unserer Mitarbeitenden und schaffen zugleich flexible Lösungen, die sowohl den individuellen Bedürfnissen als auch den Anforderungen unseres Unternehmens gerecht werden“, erklärte Personalchefin Astrid Fontaine.
Mit den Halbjahreszahlen konnte Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld allerdings auch einen Lichtblick melden. Der Konzern will sich als Lieferant für die Entwicklung von humanoiden Robotern profilieren. Bislang gab es dafür jedoch fast nur Pilotaufträge ohne nennenswerten Umsatz. Jetzt konnte Rosenfeld drei Aufträge im Volumen von insgesamt 350 Millionen Euro vermelden – darunter ein Projekt mit dem chinesischen VW-Partner Xpeng. Dieser hat besonders ambitionierte Pläne für seinen Roboter Iron, der noch im laufenden Jahr in Serie gehen soll.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Christoph Kapalschinski berichtet als Redakteur über die Autoindustrie.