Peking/Berlin – Es ist ein Triumph für China und ein Schock für die deutsche Autoindustrie. Erstmals wurden laut Zolldaten mehr als eine Million Fahrzeuge aus der Volksrepublik exportiert – ein Rekord! Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sind das fast 73 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr summierten sich die Auto-Exporte auf mehr als 5,3 Millionen Autos, ein Plus von 53 Prozent. Für die kriselnden Autohersteller in Deutschland eine weitere schlechte Nachricht.
Denn: Die chinesischen Hersteller haben in ihrer Heimat selbst zu kämpfen. Nachdem die Regierung die dortige E-Autoprämie gekürzt hatte und wegen des Iran-Kriegs auch in China die Spritpreise nach oben gegangen sind, brach die Nachfrage nach E-Autos und Verbrennern ein. Deshalb versuchen die Hersteller, ihre Verluste auf dem Heimatmarkt durch verstärkte Exporte auszugleichen – augenscheinlich mit Erfolg.
Das gilt dabei nicht nur für die Autoindustrie. Auch andere elektrische und mechanische Produkte wie Halbleiter, Computer und Smartphones werden immer häufiger nach Deutschland und Europa exportiert. Chinas Exportüberschuss gegenüber Deutschland ist deshalb auch im Juni weiter gewachsen – es werden also immer mehr chinesische Waren in Deutschland verkauft, als umgekehrt deutsche Waren in China.
Autohersteller haben in China Probleme
Besonders deutlich wird das jetzt bei deutschen Autos. Früher waren Volkswagen, Mercedes und BMW bei chinesischen Kunden angesehen, galten als Statussymbol. „Das hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert“, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer (75) zu BILD.
Die deutschen Hersteller hätten zu lange darauf gesetzt, ihre bewährten Modelle mit nur leichten Veränderungen auch in China anzubieten. „Dabei hat man hier Entwicklungen verschlafen – China ist in der Auto-Hochtechnologie meilenweit voraus.“ Das Riesen-Land ist inzwischen nicht nur der größte Auto-Exporteur der Welt, auch bei der Qualität können China-Autos inzwischen mithalten.
Einen Lichtblick sieht Dudenhöffer aber auch – ausgerechnet beim Krisen-Konzern Volkswagen. „VW entwickelt und baut inzwischen seine Autos für China auch in China, hat so entsprechend weniger Kosten.“ Gleichzeitig werde geprüft, ob man in den hier nicht ausgelasteten VW-Werken bestimmte Modelle gemeinsam mit chinesischen Herstellern bauen könnte. „Beides gemeinsam könnte funktionieren“, meint der „Auto-Papst“.