Essen/Düsseldorf – Nächster Kahlschlag in der deutschen Chemieindustrie! Der Essener Chemieriese Evonik verschärft wegen der anhaltenden Branchenkrise sein Sparprogramm drastisch. Bis Ende 2029 sollen insgesamt rund 3200 Arbeitsplätze gestrichen werden – davon 2150 in Deutschland, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
Konzernchef Christian Kullmann (57) begründet den harten Schritt mit den schwierigen Rahmenbedingungen: „Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach.“ Zudem werde der Druck auf die Unternehmen immer größer. Kullmann weiter: „Zugleich wird der internationale Wettbewerb immer härter.“
Weitere Jobs weg durch Ausstieg aus Verlustgeschäft
Zusätzlich treibt Evonik seinen Konzernumbau voran. Das Unternehmen steigt 2027 aus dem seit Jahren verlustreichen Polyester-Geschäft aus. Die Folge: Noch einmal rund 350 Stellen fallen weg.
Betroffen sind die Standorte Witten, Marl und Shanghai. Vorständin Lauren Kjeldsen (52) macht deutlich, warum Evonik die Reißleine zieht: „Das Polyester-Geschäft zu beenden und die Produktion zu schließen, ist ein wirtschaftlich alternativloser Schritt.“
Das Geschäft brachte zuletzt zwar rund 150 Millionen Euro Jahresumsatz, schrieb aber seit Jahren rote Zahlen.
Konzern verspricht „sozialverträglichen“ Abbau
Die Beschäftigten sollen nach Angaben des Unternehmens nicht von heute auf morgen vor die Tür gesetzt werden. Personalvorstand Thomas Wessel (63) betonte: „Der Stellenabbau wird auch künftig sozialverträglich gestaltet.“ Wie genau das aussehen soll, will Evonik nun mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften besprechen.
Schon jetzt laufen bei Evonik Sparprogramme, durch die rund 2800 Stellen wegfallen sollen. Zudem wurden Geschäftsbereiche mit etwa 3500 Beschäftigten an den Standorten Marl und Wesseling in die neue Tochtergesellschaft Syneqt ausgegliedert. Ein Verkauf gilt als möglich.
Ende März beschäftigte Evonik noch rund 30.600 Mitarbeiter, ein Jahr zuvor waren es noch mehr als 31.000.
Ganze Branche unter Druck
Der Stellenabbau bei Evonik ist kein Einzelfall. Die deutsche Chemieindustrie steckt in einer ihrer schwersten Krisen seit Jahrzehnten. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage, Konkurrenz aus Asien und geopolitische Unsicherheiten setzen die Unternehmen massiv unter Druck.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnte sogar vor einem möglichen Zusammenbruch der Branche. Zahlreiche Konzerne haben bereits Stellenstreichungen angekündigt:
- Wacker Chemie will bis Ende 2027 mehr als 1500 Jobs abbauen.
- Lanxess streicht 550 Stellen, zwei Drittel davon in Deutschland.
- Auch Branchenführer BASF fährt einen harten Sparkurs und baut weiter Personal ab. Allein zwischen Ende 2023 und Ende 2025 sank die Zahl der Beschäftigten weltweit bereits um 4800.