Berlin – Eine Seefahrt, die ist lustig – wie lustig, das bewies Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU), als er am Dienstagabend mit 30 Minuten Verspätung an Bord der „Havel Queen“ ging. Söder nahm mit CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann (48) als Ehrengast an der traditionellen „Spargelfahrt“ des Seeheimer Kreises (konservativer Flügel der SPD-Bundestagsfraktion) teil.
Und seine Rede während des Essens – serviert wurde Nienburger Spargel mit Kartoffeln und Schweineschnitzel – hatte es in sich! Über die Einladung habe er sich „gewundert, gefreut und geehrt gefühlt zugleich“, kalauerte der CSU-Chef los. Er habe im vergangenen Herbst eine „tolle Begegnung“ gehabt mit den Seeheimern, lobte Söder. Was er meint: Die Abgeordneten waren im September zur Fraktionsklausur in München und anschließend auf dem Oktoberfest. Söder weiter: „Und es gab keine einzige Nachricht über auffälliges Verhalten danach.“
Lautes Gelächter an Bord! DENN: Während des Wiesn-Besuchs der Seeheimer kam es im Käfer-Festzelt zu einer Rauferei zwischen den Abgeordneten Uwe Schmidt (60, SPD) und Esra Limbacher (37, SPD), die im Bundestag wochenlang Tuschelthema war.
Klare Kante gegen AfD
Am Vorabend des Gipfels mit den Sozialpartnern, der am Mittwochabend (ab 19 Uhr) im Kanzleramt ansteht, fand Söder aber auch ernste Worte. In Bezug auf die anstehenden Sozialreformen mahnte er an, dass „Millionen Menschen auch mitgenommen werden“ müssten. Die Reformen müssten „einen Grundanspruch von Gerechtigkeit erfüllen“. Und weiter: „Wir können nicht über die Köpfe und Herzen von Millionen Menschen hinweggehen.“ Auch „die kleinen Leute“ müssten sich „in dieser Demokratie bei uns wohlfühlen“, betonte der CSU-Chef mit Blick auf seine Partei und meinte damit explizit die Nähe zwischen CSU und SPD.
Er habe nämlich „keinen Bock, immer nur zu lesen, dass die AfD plötzlich eine Arbeitnehmerpartei sei“. DENN: „Die Arbeitnehmerparteien, die sitzen hier!“ Dieser Satz ließ Klingbeil grinsen, CDU-General Linnemann hingegen guckte ziemlich sparsam. Söder hatte nämlich zuvor klargestellt: „Wir bei der CSU gelten ja auch immer bei der CDU als ein bisschen verdächtig, weil wir das S im Namen führen, fast ein bisschen so halb sozialdemokratisch sind.“
Söder verließ das Schiff vor der Abfahrt. Und auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (57) musste von Bord, um in kleiner Runde die anstehenden Reform-Gespräche vorzubereiten.
Zurück blieb CDU-General Linnemann. Der hatte, als das Schiff noch am Steg lag und das Essen serviert wurde, nichts abbekommen. Linnemann saß zwischen Söder und Klingbeil am Ehrentisch. Nachdem die beiden Parteichefs mit Schnitzel und Spargel versorgt worden waren, war dummerweise am Tisch kein Platz mehr für den Linnemann-Teller. So verzichtete er bescheiden – und begnügte sich während der Seerundfahrt mit einem Bratwurstbrötchen.