Tokio/Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) lässt die Bundespräsidenten-Debatte auf seiner Asien-Reise nicht los. Bislang äußert er sich nicht öffentlich, er führt hinter den Kulissen aber Krisentelefonate am laufenden Band. Fakt ist: Die Zeit rennt ihm davon. Schon im Januar soll die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier (70) gewählt werden. Bis dahin muss die Mehrheit stehen. Aber für wen ist Merz?
Das Umfeld des Kanzlers machte auf dem Flug der deutschen Delegation nach Tokio klar, dass Merz sich weder für jemanden entschieden noch selbst überhaupt einen Vorschlag unterbreitet habe. Nächster Zielpunkt sei die Präsidiumssitzung der CDU am 9. November. Bis dahin sollen nun Gespräche sowohl mit der CSU als auch mit den CDU-Ministerpräsidenten und den CDU-Landesvorsitzenden stattfinden. Praktisches Problem: CSU-Chef Markus Söder (59) ist direkt im Anschluss an Merz (kommt Freitagabend zurück) auf Dienstreise.
Die CDU habe das Vorschlagsrecht und den Anspruch, den Kandidaten zu stellen, hieß es auf dem Flug nach Tokio. Doch eine wichtige Einschränkung machte das Merz-Umfeld mit der Ankündigung, die im nächsten Satz folgte: Nach der CDU-Präsidiumssitzung würden dann SPD und Grüne konsultiert, da es das „Ziel“ sei, einen von einer „breiten Mehrheit“ getragenen Kandidaten in der Bundesversammlung zur Wahl zu stellen.
Das könnte die Chancen für CSU-Kandidatin Ilse Aigner (61) erhöhen. Denn in der Unionsführung ist aufmerksam registriert worden, dass sich zuletzt SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (57) für Aigner ausgesprochen hatte.
Auch bei den Grünen stößt Aigner auf Zustimmung. Die in CDU-Kreisen als mögliche Alternative genannte hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus (49) gilt tendenziell als konservativer. Über Vorzüge und/oder Nachteile von Aigner und Claus aus Sicht von Merz äußerte sich dessen Umfeld nicht.