Berlin – Die Innenminister der Länder streiten über das Waffenrecht! Einige Länder wollen das Waffengesetz deutlich verschärfen, auch das Bundeskriminalamt (BKA) macht hier gewaltig Druck, doch der Bund tritt auf die Bremse. Grund: Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) haben in der Opposition ein Ende der „Symbolpolitik“ und weniger Bürokratie für legale Waffenbesitzer (u.a. Jäger) versprochen.
Der Bund „evaluiert“ derzeit das Waffengesetz, wertet dafür die Vorschläge von über 70 Lobbygruppen, Verbänden, Parteien und den Bundesländern aus – angeblich ergebnisoffen. Doch BILD weiß: Getrieben vom BKA sowie von den Städten Hamburg und Berlin werden neben anderen Maßnahmen deutlich schärfere Regeln für sogenannte Schreckschusswaffen diskutiert.
Das könnte bald für Schreckschusswaffen gelten
Bislang dürfen Volljährige „SRS“-Waffen (meint: Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen) ohne Hürden kaufen und besitzen. Wer sie in der Öffentlichkeit führen will, braucht den „Kleinen Waffenschein“. Paradox: Damit schießen dürfen die Besitzer nicht. Auch nicht an Silvester. Das ist streng verboten! Schießen darf man damit nur auf Schießständen (Ausnahme: Notwehr).
Diese Regeln gehen Hamburg und Berlin nicht weit genug! Denn: In beiden Städten eskaliert rund um Silvester regelmäßig die Lage. Dort schießen Böller-Chaoten mit Signalraketen aus Schreckschusswaffen rücksichtslos auf die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr.
Beide Länder fordern: Wer eine Schreckschusswaffe besitzt oder eine solche Waffe zum ersten Mal kaufen will, soll künftig in beiden Fällen einen Kleinen Waffenschein beantragen müssen.
Das klingt harmlos. Aber: Davon wären potenziell Millionen von Deutschen betroffen! Denn auf BILD-Nachfrage schätzt der Bundesverband zivile Legalwaffen (BZL): In Deutschland befinden sich bis zu 20 Millionen Schreckschusswaffen im Privatbesitz von 12 Millionen Bundesbürgern.
Nur die wenigsten besitzen einen Kleinen Waffenschein. Denn: Ende März 2026 waren das laut dem Nationalen Waffenregister 915.506 Personen. Ihre Zahl hat sich seit 2015 gut verdreifacht!
Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), Vorsitzender der Innenministerkonferenz, warnt in BILD: Schreckschusswaffen „entfalten aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit scharfen Schusswaffen ein erhebliches Drohpotenzial“. Die Gefährlichkeit der Waffen werde „häufig unterschätzt“.
Auch Berlins Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) sieht das so, hält auf BILD-Nachfrage jetzt deutlich „strengere Regelungen beim Erwerb, Besitz und Führen dieser Waffen für erforderlich“.
Beide Länder sehen dadurch „die öffentliche Sicherheit und das Sicherheitsgefühl“ gestärkt.
BKA hält Schreckschusswaffen gar nicht für gefährlich
Sind Schreckschusswaffen gefährlich? Es kommt darauf an. Klar ist: Auf kurze Distanz können sie Verbrennungen und starke Reizungen auslösen. Doch: Das BKA kommt in einem Gutachten (2021), das die Grundlage für die Vorstöße von Berlin und Hamburg bildet, ganz klar zu dem Schluss, dass „von der missbräuchlichen Verwendung bestimmter Werkzeuge, wie Äxte, Beile, Schraubenzieher, Messer, Hämmer u. a. in der Nahdistanz eine signifikant höhere Gefährlichkeit“ als von Schreckschusspistolen ausgeht. Von ihnen gehe „im aktuellen Kriminalitätsgeschehen“ sogar kaum eine Bedrohung aus. Die Gefahr von SRS-Waffen bestehe allein im „Drohpotenzial“.
Trotzdem plädiert das BKA dafür, dass der Kleine Waffenschein künftig „zur Voraussetzung dafür gemacht“ werden sollte, dass eine Person „eine SRS-Waffe erwerben und besitzen darf“.
Ablehnung aus Hessen! Innenminister Roman Poseck (56, CDU) sieht die Probleme mit SRS-Waffen, sagt aber: „Der Kleine Waffenschein ist aus meiner Sicht nicht die richtige Antwort.“
BZL-Chef Matthias Klotz (55) kritisiert in BILD: „Obwohl das BKA Schreckschusswaffen nicht für gefährlich hält, soll der Besitz erschwert werden. Das macht doch gar keinen Sinn. Das Einzige, was damit erreicht wird, ist mehr Bürokratie ohne den geringsten Zugewinn an Sicherheit.“
Zustimmung von den Grünen. In einem gemeinsamen Papier (Titel: „Waffenmissbrauch verhindern – Sicherheit stärken“), das BILD exklusiv vorliegt, fordern Irene Mihalic (49) und Innenexperte Marcel Emmerich (35): „Wer eine SRS-Waffe besitzen möchte, soll künftig seine Zuverlässigkeit und persönliche Eignung nachweisen und beim Kauf den Kleinen Waffenschein vorlegen müssen.“ Grund: „Besonders in Menschenmengen“ gehe von ihnen eine Gefahr aus.