Berlin – 190.000 Soldaten, so viele wie seit 13 Jahren nicht mehr! Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sieht die Bundeswehr beim Personal offenbar auf Kurs. Seine Botschaft: Wenn das so weitergeht, könnte Deutschland ohne eine Rückkehr zur Wehrpflicht auskommen.
Die Maßnahmen des neuen Wehrdienst-Modernisierungsgesetzes würden wirken, sagte Pistorius den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Pistorius optimistisch: „Wenn sich der Kurs fortsetzt, haben wir keine Aufwuchsprobleme.“ Dann müsse es auch „keine Diskussion geben über eine wie auch immer auszugestaltende Wehrpflicht“. Eine klare Ansage in einer Debatte, die besonders viele junge Menschen umtreibt.
Zuletzt gingen junge Erwachsene auf die Straße, auch aus Sorge vor einer möglichen Wehrpflicht. Pistorius zeigt Verständnis. Viele hätten sich bislang nie mit der Frage beschäftigen müssen, ob sie selbst einmal Soldat werden könnten. Gleichzeitig widerspricht er der Angst, Deutschland wolle junge Menschen in einen Krieg schicken. „Aber wenn es auf den Demonstrationen heißt, wir wollen nicht an die Front und im Krieg sterben, dann kann ich nur sagen: Wir wollen genau dasselbe.“
Bundeswehr hat trotzdem noch ein Personal-Problem
Sein Argument: Gerade eine starke Bundeswehr solle dafür sorgen, dass es erst gar nicht zum Ernstfall kommt. Deutschland brauche Streitkräfte, „die abschrecken können, damit wir gar nicht in die Situation kommen, überhaupt irgendwo kämpfen zu müssen“.
Doch beim Personal sieht Pistorius noch eine große Baustelle: Frauen! Die Bundeswehr sei zahlenmäßig weiterhin ein „Männerladen“, räumte der SPD-Politiker ein. Das lasse sich nicht schnell ändern. Trotzdem gelte: „Aber wir wollen mehr Frauen in der Bundeswehr haben. Sie ist gerade dann besonders stark, wenn sie die Breite unserer Gesellschaft abdeckt.“
Und noch ein Problem belastet die Truppe: Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Im vergangenen Jahr gab es rund 460 Verdachtsfälle. Pistorius verspricht hartes Vorgehen: „Wir tun alles dafür, dass solche Vorfälle, wie wir sie in letzter Zeit leider hatten, durch gute Prävention möglichst verhindert werden.“ Schon kommende Woche will der Minister eine Dunkelfeldstudie dazu vorlegen. Pistorius stellt sich offenbar auf unangenehme Ergebnisse ein: „Wir waren uns bewusst, dass die Ergebnisse auch sehr unerfreulich sein können.“