Magdeburg – Im Landtagswahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt soll Björn Höcke offenbar keine Rolle spielen. Mehrere Personen aus dem Umfeld der Parteispitze haben dem MDR zufolge berichtet, dass der Thüringer AfD-Landeschef bei Wahlkampfveranstaltungen des benachbarten Landesverbandes nicht erwünscht ist. Nach Darstellung mehrerer Quellen handele es sich um eine bewusste Entscheidung. Grund: Zoff um Höckes öffentliche Kritik im Zusammenhang mit der Affäre um Vetternwirtschaft in der Partei.
Im Februar waren mehrere Fälle sogenannter Überkreuzbeschäftigungen bekannt geworden. Dabei sollen AfD-Mitglieder in ihren Büros Familienangehörige von Parteifreunden beschäftigt haben – auch der Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, stand in der Kritik. Sein Vater ist im Bundestagsbüro des AfD-Abgeordneten Thomas Korell (42) angestellt. Höcke teilte nach Bekanntwerden der Vorwürfe einen Text des rechtsextremen Verlegers Götz Kubitschek (55), in dem dieser vor einem „Riss in der Glaubwürdigkeit“ warnte.
Höcke-Kritik wurde als Affront gewertet
„Wir können nur an uns selbst scheitern“, ergänzte der Thüringer AfD-Landeschef. UND: Man müsse „wachsam bleiben, vor allem in Bezug auf sich selbst“. Innerhalb der Partei hätten dies laut MDR viele als unangebrachte Kritik an den Erklärungen des Landesverbands in Sachsen-Anhalt verstanden. Parteifreunde öffentlich zu kritisieren – noch dazu in einem Wahljahr – sei nicht gut angekommen, heißt es weiter.
Zusätzlichen Ärger gab es durch einen Vorstoß des Thüringer Bundestagsabgeordneten und Höcke-Vertrauten Torben Braga (34), der einen Antrag mit kritischen Fragen zu der Affäre an die Spitzen der Bundespartei gestellt hatte. Sein Vorwurf: unzureichende Aufklärung und mangelnde Transparenz. Dies sei als klarer Affront gegen Parteispitze und Landesverband gewertet worden – und wahrscheinlich nicht ohne Zustimmung von Höcke passiert.
AfD-Vertreter: Brauchen Höcke nicht mehr
Laut MDR wollte sich öffentlich niemand aus der AfD dazu äußern. Hinter den Kulissen sieht das aber offenbar anders aus. Unter der Bedingung der Anonymität hätten Parteifunktionäre erklärt, man brauche Höcke „als eine Art politischen Heilsbringer“ nicht mehr. Vielen wirke er zu „steif und lehrerhaft“, heißt es. Stattdessen setze man auf Gegenmodelle – wie eben Ulrich Siegmund.
Auf Nachfragen reagierte der Landesverband laut MDR ausweichend. Man solle sich überraschen lassen, welche Spitzenpolitiker im Wahlkampf auftreten werden. Offiziell angekündigt ist bislang nur ein Auftritt von Co-Parteichefin Alice Weidel (47). Dass auch Höcke irgendwo auftaucht, sei aber nicht ausgeschlossen. Die Kreisverbände hätten die Erlaubnis, auch eigene Veranstaltungen zu organisieren – und Höcke dazu einzuladen. Die Landtagswahl findet am 6. September statt.