Berlin – Zunächst demonstrierten Zehntausende junge Menschen weitgehend friedlich, dann kippte die Stimmung und es brachen Randalen in mehreren deutschen Städten aus! Am Abend eskalierte dann die Lage: In Frankfurt wurden Schaufenster eingeschlagen, geplündert, Molotowcocktails geworfen und Polizisten verletzt, in Berlin flogen Flaschen, Böller und Eier. In Hamburg gingen Barrikaden in Flammen auf. Auf der Domplatte in Köln kam es zu Krawallen. In mehreren Städten griff die Polizei zu Wasserwerfern.
BILD ist vor Ort: Es ist kurz nach 22 Uhr im Lagezentrum des Bundesinnenministeriums. Das Licht ist gedimmt, nur das grelle Leuchten Dutzender Großbildschirme erhellt den Raum. Die Bilder, die dort flimmern, zeigen ein zerrissenes Deutschland am Abend des 31. Oktober: Auf der linken Seite friedliche Jugendliche, die für besseren Klimaschutz und gegen die Wehrpflicht demonstrieren. Auf der rechten Seite blanke Anarchie. Brennende Barrikaden, fliegende Molotowcocktails, vermummte Gestalten im Rausch der Gewalt.
Erste echte Feuerprobe
Mittendrin: Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Es ist seine erste echte Feuerprobe im Amt. Vor ihm sitzen seine engsten Spitzenbeamten im Krisenstab, darunter Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen (54) sowie Dieter Romann (64), Chef der Bundespolizei. Die Mienen sind ernst und konzentriert. Dobrindt blickt auf die Monitore, fragt nach der Lage: „Wie ist der Status?“
Die Berichte der Experten zeichnen ein klares Bild. Linksextreme Chaoten und gewaltbereite Autonome haben die bundesweiten Jugendproteste der Initiative „Gen Z regelt“ gezielt unterwandert. Sie nutzten die friedlichen Demonstranten als menschliche Schutzschilde. Besonders dramatisch ist die Lage in Frankfurt am Main und in Berlin.
„Greiferprinzip“ bringt erhofften Erfolg
Der Verfassungsschutz-Chef referiert präzise über die Hintergründe und die Drahtzieher im Hintergrund: Details könne man noch nicht öffentlich nennen, die Auswertung der Erkenntnisse läuft auf Hochtouren. Doch die Polizei war vorbereitet. Bundespolizeichef Romann erklärt das taktische Erfolgsgeheimnis dieses Abends: das „Greiferprinzip“.
Spezialkräfte in Sechsergruppen scannten die Menge, identifizierten die aggressivsten Rädelsführer im Bruchteil einer Sekunde und zogen sie mit chirurgischer Präzision blitzschnell aus den Protestzügen, bevor die Lage völlig eskalieren konnte. Dennoch forderte der Einsatz Opfer: In Berlin wurden zwei Beamte leicht verletzt.
Albtraum-Szenario wird abgewendet
Immer wieder melden Mitarbeiter Zwischenberichte aus den Bundesländern in den Raum. Dann, kurz vor 23 Uhr, das erlösende Signal aus Hessen. Eine Mitarbeiterin: „Die zwei gestohlenen Waffen aus dem Waffengeschäft in Frankfurt sind sichergestellt!“ Vernehmbare Erleichterung macht sich im Krisenstab breit. Ein Albtraum-Szenario ist abgewendet.
Trotz der Krawalle zieht der Innenminister eine differenzierte Bilanz. Bis zum späten Abend waren die Proteste zehntausender Jugendlicher absolut friedlich. Erst danach übernahmen die Störer in einigen Städten die Straße. Dobrindt stellt im Krisenstab unmissverständlich klar: Das Demonstrationsrecht sei in unserer Demokratie verbrieft. Und es ist gut, dass die Jugend auf die Straße geht. Aber wer Gewalt gegen Beamte ausübe, verlasse den Boden des Rechtsstaats.
Gegen 23 Uhr hält es den Minister nicht mehr auf seinem Stuhl. Er verlässt das Ministerium, lässt sich direkt in das Berliner Herz des Protestgeschehens fahren: zum Hackeschen Markt. Vor Ort sucht er das direkte Gespräch mit den Einsatzkräften und dem Einsatzleiter, um sich persönlich für ihren unermüdlichen Dienst in dieser Halloween-Nacht zu bedanken.