Beim Blick auf die Bilder aus deutschen Städten muss ich an die jungen Leute und Jugendlichen denken, die nicht auf der Straße sind und demonstrieren oder Krawall machen. Die bei der Arbeit sind, sich um ihre Familie oder in Vereinen kümmern, für Schule oder Studium lernen.
Lebt diese große Mehrheit in einer heilen Welt? Nein, so einfach ist es nicht. Auch sie hat Sorgen!
Wie ist es sonst zu erklären, dass bei der vergangenen Bundestagswahl im Februar 2025 mehr als 25 Prozent der 18- bis 24-Jährigen für die Linkspartei und 20 Prozent für die AfD gestimmt haben – also beinahe jeder Zweite für radikale oder sogar extremistische Kräfte? Friedrich Merz und Lars Klingbeil haben einem großen Teil der Jugend offenkundig nichts zu bieten.
Und in den zurückliegenden anderthalb Jahren schwarz-roter Koalition dürften sich eher noch mehr junge Leute von der Politik der selbst ernannten Mitte abgewandt haben. Außer Reformen, die vor allem den Interessen der Älteren entsprachen, war für sie wenig dabei.
Materiell geht es vielen Jugendlichen in Deutschland nicht schlecht. Es ist die vielleicht wohlhabendste Generation, die wir je hatten. Und gerade weil so wenig junge Menschen in unserer überalterten Gesellschaft leben, sollten ihnen große Chancen winken.
Doch die Kombination aus dem wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands und dem kometenhaften Aufstieg der Künstlichen Intelligenz weckt Zukunftsängste. Viele, die sich in Ausbildung oder im Studium befinden, fragen sich, ob es die Berufe, für die sie lernen, in wenigen Jahren noch geben wird.
Andere Probleme verbinden Jung und Alt: der Mangel an Wohnraum mit der Folge der Überteuerung, die Bezahlbarkeit des Lebens, der Zustand von Schulen und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die Sorge vor Krieg und Klimawandel.
Daraus erwächst bei vielen das Gefühl der Machtlosigkeit, des Ausgeliefertseins. Berichte oder eigene Erfahrungen mit Kriminalität oder Jugendbanden mit hohem Migrantenanteil, wie jüngst in Potsdam, verstärken die Sorgen.
Dagegen helfen weder mehr Sozialhilfe noch weniger Aufrüstung, wie am Samstag auf vielen Demos gefordert wurde. Die junge Generation will gehört werden, will erleben, dass sie Einfluss hat auf die Politik (Durchschnittsalter der Bundestagsabgeordneten von Union und SPD: ca. 48 Jahre; Linke: 42)
Wenn Union und SPD der Jugend und ihren Themen in ihren Programmen, ihren Gremien und ihren Fraktionen NICHT mehr Raum schaffen und ihnen keine politische Macht einräumen, werden sie über kurz oder lang zu jugendfreien Zonen.
Das Wichtigste aber: Auch für unsere Kinder muss das Wohlstands- und Aufstiegsversprechen wieder gelten! Und da reden wir wieder über dringend benötigten Wirtschaftsaufschwung. Wie fast jeden Tag an dieser Stelle.