East Rutherford/New York City – „¡Que viva España!“ – Tausende besangen nach 125 Minuten im „New York New Jersey Stadium“ den neuen Weltmeister Spanien! Bei den argentinischen Fans, die im Stadion zahlenmäßig überlegen waren und ihr Team leidenschaftlich anfeuerten, herrschten dagegen leere Augen und traurige Gesichter – dasselbe Bild bei US-Präsident Donald Trump! Nach dem Schlusspfiff sah man ihn hinter der Glaswand in der Ehrenloge regungs- und sprachlos neben Ehefrau Melania und Fifa-Chef Gianni Infantino stehen, danach auf der Tribüne bei der Siegerehrung: Trump stand neben dem spanischen König – kaum ein Wort wurde gewechselt. Und das nicht ohne Grund!
Trump: „Spanien ist furchtbar“
Hintergrund: Das Verhältnis zwischen den USA und Spanien gilt als frostig. Und das Finale wurde zum Sinnbild der Eiszeit zwischen Trump und dem Weltmeister. Der US-Präsident hat das Nato-Land in den vergangenen Monaten immer wieder scharf angegriffen. Sein Vorwurf: Spanien wolle nicht genug Geld für die Verteidigung ausgeben und lasse sich von den USA schützen.
Schon im März schimpfte Trump: „Spanien ist furchtbar, ich habe Scott (US-Finanzminister Bessent) gesagt, er solle den Handel mit Spanien komplett kippen.“ Kurz darauf legte er nach: „Spain has absolutely nothing that we need other than great people. They have great people, but they don’t have great leadership.“ („Sie haben nichts, was sie uns bieten können, außer großartige Leute. Die haben sie, aber keine gute Regierung.“)
Trump drohte der spanischen Regierung
Dabei blieb es nicht bei scharfen Worten. Anfang Juli drohte Trump Spanien sogar offen mit wirtschaftlichen Konsequenzen. „We’re going to cut off all trade with Spain. We don’t want anything to do with Spain“, sagte er. („Wir stellen den Handel mit Spanien ein, wir wollen nichts mit ihnen zu tun haben.“)
Streitpunkt: 5-Prozent-Ziel der Nato
Auslöser des Streits ist Spaniens unnachgiebige Haltung innerhalb der Nato. Madrid wollte sich – anders als die übrigen Bündnispartner – nicht auf Verteidigungsausgaben von 5 Prozent der Wirtschaftsleistung festlegen.
„Es ist das einzige Land, das seinen Anteil nicht auf 5 Prozent erhöht hat. Alle anderen Nato-Staaten haben ihren Anteil erhöht. Und Spanien profitiert sehr von uns. Deshalb bin ich mit Spanien nicht zufrieden“, wetterte er. Spaniens Verhalten sei „a very bad thing“ und „very unfair“ („sehr schlimm“ und „sehr unfair“). Sogar Strafzölle brachte Trump ins Spiel: („Ich habe darüber nachgedacht, sie mit Zöllen zu bestrafen.“) Der Gipfel: Trump nannte Spanien „absolut schrecklich“.
Neben dem Sportlichen stand damit das frostige Verhältnis zwischen den USA und einem europäischen Verbündeten im Rampenlicht. Jetzt trafen sich Trump, das Königspaar und Premier Sánchez beim größten Fußballspiel der Welt – und Trump musste ausgerechnet die Mannschaft seines Lieblingsfeindes in Europa zum Weltmeister küren.