Karlsruhe – Im Geheimdienst-Skandal um Ex-BND-Chef August Hanning (80) meldet sich jetzt sein Rechtsanwalt Leon Kruse zu Wort. „Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt“, teilte er am Mittwoch in einer Stellungnahme mit. Hanning werden u. a. geheimdienstliche Agententätigkeit und versuchter Landesverrat vorgeworfen. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs setzte am Mittag einen Haftbefehl in Kraft.
Der Anwalt räumte ein, dass Hanning im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen sei. „Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben“, teilte der Anwalt mit. Die weiteren Ermittlungen würden das zeigen. Zuvor hatten WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer) und Der Spiegel berichtet.
Hannings früherer Büroleiter beim BND, Manfred D. (64), war am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat in U-Haft gekommen. Er soll den früheren BND-Chef über viele Jahre mit vertraulichen Informationen versorgt haben. Es soll sich um mehr als 2000 Dokumente handeln. Was damit geschah, ist unklar. Medienberichten zufolge soll Hanning die Informationen bei seinen Kontakten zu ausländischen Geheim- und Nachrichtendiensten genutzt haben.
Diplomatischer Protest aus Aserbaidschan
Wie Der Spiegel berichtet, führt die Spur nach Aserbaidschan. Das Kaukasus-Land hat lokalen Medienberichten zufolge bei der deutschen Bundesregierung dagegen protestiert, mit dem Geheimdienst-Skandal in Verbindung gebracht zu werden. Der Protest sei über nachrichtendienstliche und diplomatische Kanäle an das Bundeskanzleramt und das Auswärtige Amt übermittelt worden, berichtete die aserbaidschanische Nachrichtenagentur APA.