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Aufsichtsrat diskutiert über geheimes Sparpaket bei VW

Aufsichtsrat diskutiert über geheimes Sparpaket bei VW
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Wolfsburg – Es ist nichts weniger als ein Beben! Nach BILD-Recherchen, die von mehreren voneinander unabhängigen Quellen bestätigt wurden, arbeitet Volkswagen an einem radikalen Umbau des Konzerns. Es geht um Werke, Jobs, Marken, Beteiligungen – und um die Frage, wie Deutschlands wichtigster Autokonzern überleben kann.

Über den geheimen Rettungsplan wird an diesem Donnerstag im VW-Aufsichtsrat diskutiert. Schon jetzt ist klar: Betriebsrat und Gewerkschaft werden nicht zustimmen. Vor allem dort, wo es um Werke, Jobs und Standortsicherung geht. Vor der Zentrale wird demonstriert, auch an allen anderen deutschen Standorten sind Protestaktionen angekündigt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie radikal will VW sparen?

An der Konzernspitze wird die Lage aber so dramatisch bewertet wie nie zuvor. In den Beratungen ist von einer „existenzbedrohenden Situation“ die Rede. Ohne harte Gegenmaßnahmen drohe Volkswagen bis 2030, in eine dauerhaft unprofitable Lage zu rutschen.

Der 50-Milliarden-Hammer

Der größte finanzielle Einschnitt betrifft Investitionen sowie Forschung und Entwicklung. Nach BILD-Informationen sollen diese Ausgaben für den Zeitraum 2027 bis 2031 im Vergleich zu bisherigen Planungen um insgesamt 50 Milliarden Euro sinken. Das neue Ziel: nur noch 135 Milliarden Euro an Ausgaben für diese Bereiche.

Gleichzeitig soll der Konzern bis 2030 wieder eine operative Umsatzrendite von 9 Prozent erreichen. Das geplante operative Ergebnis: 30,6 Milliarden Euro. Die Gemeinkosten sollen auf 37 Milliarden Euro gedrückt werden – rund 12 Prozent des Umsatzes im Automobilbereich.

Im Klartext: VW will nicht nur sparen. VW will seine Kostenbasis auf ein neues Niveau zwingen.

140.000 Jobs im Fokus

Besonders heikel ist die Beschäftigung. Nach BILD-Informationen steht im Zuge der Neuaufstellung ein gewaltiger Stellenabbau im Raum. Die endgültige Zahl ist noch nicht abschließend festgelegt. In den internen Planungen werden aber insgesamt bis zu 140.000 Arbeitsplätze als womöglich betroffen bewertet.

Konkret genannt werden bereits einzelne Blöcke: In der Technischen Entwicklung geht es um mindestens 15.000 Stellen. In der Produktion um mindestens 5000 Stellen. Weitere Einschnitte sollen in Verwaltung und weiteren Bereichen folgen.

Hinzu kommt: Entwicklungsarbeit soll stärker an kostengünstigere internationale Standorte verlagert werden, Künstliche Intelligenz (KI) künftig Tests reduzieren und Prozesse beschleunigen.

5500 Manager weniger

Zuerst will VW auf freiwillige Lösungen setzen: Altersteilzeit, Abfindungsprogramme, freiwillige Austritte, Ausgliederungen und Übergangslösungen. Doch intern gilt Deutschland wegen Beschäftigungssicherung, Standortvereinbarungen und Mitbestimmung als schwierigstes Feld.

BILD weiß: Auch die Zahl der Managementpositionen soll weltweit massiv reduziert werden, von rund 21.500 auf 16.000 sinken. Das wären 5500 Manager weniger! Dazu kommen größere Führungsspannen, weniger Ebenen, klarere Zuständigkeiten und mehr Leistungsdruck.

Werke, Modelle, Marken

Nach BILD-Informationen sollen vier deutsche Werke in künftigen Planungsrunden keine neuen Fahrzeugmodelle mehr erhalten: Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm. Ab 2031 soll zunächst in Zwickau und Emden die Produktion auslaufen, 2032 bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover und 2034 bei Audi in Neckarsulm.

Noch rollen im VW-Werk Osnabrück die letzten T-Roc Cabrios vom Band – doch 2027 ist mit der Pkw-Produktion Schluss. Die Suche nach einer Zukunft für den Standort läuft auf Hochtouren. Der Konzern verhandelt vor allem mit Rüstungsunternehmen über eine mögliche Nachnutzung des Werks. Ob künftig statt Autos Militärtechnik in Osnabrück produziert wird, soll sich noch in diesem Jahr entscheiden. Von der Zukunft des Standorts hängen rund 2000 Arbeitsplätze ab.

In Europa sieht VW Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen. Für die Transformation der Standorte werden rund 6 Milliarden Euro veranschlagt. Letzte Chance vom Vorstand: Nur wenn die Fabriken bis Mitte 2027 massiv auf die Kostenbremse treten, sollen die Standorte noch eine Zukunft haben.

Auch das Produktangebot soll radikal ausgedünnt werden. Nach BILD-Informationen soll das Modellangebot des Konzerns global um rund 50 Prozent reduziert werden, die Variantenvielfalt sogar um bis zu 75 Prozent. Für Kunden heißt das: weniger Auswahl. Für VW heißt das: weniger Entwicklungsaufwand und geringere Kosten. Der neue Kurs lautet: weniger Vielfalt, mehr Marge.

Nach BILD-Informationen wird Seat in den internen Zielplanungen für 2030 nicht mehr als eigenständiger Bestandteil geführt. Die Marke soll demnach bis spätestens Ende 2029 auslaufen. Cupra dagegen soll als eigenständige Wachstumsmarke fortgeführt werden.

Verkäufe sollen mehr als 10 Milliarden Euro einbringen

Der Umbau reicht weit über Autos und Werke hinaus. Nach BILD-Informationen will VW sein Beteiligungsportfolio drastisch straffen. Der Konzern umfasst mehr als 2000 Gesellschaften. Rund 35 Prozent davon könnten überprüft, zusammengelegt, verkauft oder abgewickelt werden – etwa 700 Gesellschaften. Der mögliche finanzielle Effekt: zusätzliche Nettoliquidität von 10 bis 15 Milliarden Euro bis 2030.

Auf dem Prüfstand stehen unter anderem Ducati, Europcar, Lade-, Mobilitäts- und Venture-Capital-Aktivitäten. Sogar VW-Beteiligungen an VfL Wolfsburg, FC Bayern München, VfB Stuttgart und FC Ingolstadt sollen überprüft werden.

Machtstruktur soll umgebaut werden

Auch die Konzernstruktur soll umgebaut werden. Nach BILD-Informationen soll das operative Geschäft der Volkswagen AG auf eine Volkswagen Pkw AG und eine Volkswagen Komponente AG ausgegliedert werden. Die Volkswagen AG selbst würde stärker als schlanke Dachgesellschaft agieren. Ziel: weniger Gremien, weniger doppelte Zuständigkeiten, schnellere Entscheidungen.

Einzelne Punkte sind noch nicht final entschieden – Prüfungen und Verhandlungen stehen noch aus, Gremien müssen erst noch zustimmen. Klar ist aber: Aus dem alten Autoriesen soll ein neuer, schlankerer, profitablerer Konzern werden.

Für die Führung ist es ein Rettungsplan. Für viele Beschäftigte eine bange Frage: Wer zahlt den Preis für die Rettung von Volkswagen?

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