Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) – Das WM-Halbfinale zwischen England und Argentinien am Mittwochabend war an Spannung kaum zu überbieten – und auch neben dem Sportlichen war die Stimmung um die Partie aufgeheizt. Denn zwischen beiden Ländern besteht seit fast 45 Jahren eine ganz besondere Feindschaft: Im Falkland-Krieg 1982 entluden sich alte Besitzansprüche aus der Kolonialzeit auf eine Inselgruppe im Südatlantik – die Niederlage kränkt den Nationalstolz der Argentinier bis heute.
Und so feierten die Spieler der „Albiceleste“ den 2:1-Sieg über England besonders emotional – mit einem Plakat, das ausdrückt, dass Argentinien den Ausgang des Krieges – zumindest heute – nicht anerkennen will: „Las Malvinas son argentinas“ – „die Malwinen sind argentinisch“ (so heißt die Inselgruppe auf Spanisch), hieß es auf einem Stück Leinen, das Fans auf die Tribüne gebracht und nach dem Spiel den Stars überreicht hatten.
Hat Argentinien mit England wirklich noch eine Rechnung wegen der Falkland-Inseln offen?
Die Ansprüche Argentiniens auf die Falkland-Inseln sind hochumstritten und heute wohl eher symbolischer Natur. Seit 1833 werden die Inseln von Argentinien als ihr Land angesehen, obwohl nie ein völkerrechtlicher Anspruch bestanden hat. Jahrhundertelang wurden die Inseln nur für Schafzucht und Fischfang genutzt – und von den Briten verwaltet. Argentinisch waren die Eilande nie.
Krieg um Inselgruppe wirkt bis heute nach
Das Britische Königshaus war nach dem Zweiten Weltkrieg verhandlungsbereit und gab weltweit seine Kolonien auf. Doch die Briten bestanden darauf, dass die Falkländer selbst entscheiden sollten, zu welchem Staat sie gehören wollen („Selbstbestimmungsrecht der Völker“). Seit jeher (auch im letzten Referendum 2013) entschieden sich die Bewohner für Großbritannien. Doch in Argentinien übernahm 1976 eine Militärdiktatur die Macht, die am 2. April 1982 die Besetzung der Inseln anordnete, der Falkland-Krieg brach aus. Die Briten griffen ein und zwangen Argentinien zwei Monate später zur Kapitulation.
Argentiniens Vize-Präsidentin: „Wir spielen gegen die eindringenden Piraten“
In Argentinien ist der Krieg heute noch sehr präsent: Vize-Präsidentin Victoria Villarruel (51) hatte schon am Tag vor dem Spiel massiv Stimmung gegen England auf X gemacht – dort rühmt sie sich als „Hija de un Veterano de Malvinas“ – „Tochter eines Falklandkriegs-Veterans“. Sie raunte: „Wir spielen gegen die eindringenden Piraten. Das ist nicht einfach nur ein Spiel.“ Es gehe darum, den Eindringlingen Einhalt zu gebieten: „Bis zu unserem letzten Atemzug werden wir einfordern, was uns gehört!“
Argentinien droht Nachspiel mit der FIFA
Nach dem Spiel dankte Villarruel den Torschützen Argentiniens und dem ganzen Team mit einem Soldaten-Video – und giftete noch einmal kräftig Richtung England: „No era un partido más“ – „das war kein Spiel wie jedes andere!“ Nun ist das Falkland-Kriegsgeraune wieder vorbei – fast: Denn den „Gauchos“ droht Ärger: Der Weltverband FIFA verbietet Spielern und Offiziellen rund um die WM-Spiele, politische Botschaften zu präsentieren. Für das argentinische Team könnte das Zeigen des Kriegsplakates damit ein Nachspiel haben.