Wirtschaft

„Alle haben sich in die USA verliebt“ – Die eigenwillige Gedankenwelt von Trumps WM-Chef

„Alle haben sich in die USA verliebt“ – Die eigenwillige Gedankenwelt von Trumps WM-Chef

Andrew Giuliani, Leiter der White-House-Task-Force zur Fußball-WM, hat sich vehement für eine Wiederwahl von Fifa-Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. „Die Partnerschaft, die er mit der US-Regierung, mit Präsident Donald J. Trump gepflegt hat, hat nicht nur zum größten Fußballturnier aller Zeiten geführt, sondern wirklich zu einem der größten kulturellen Ereignisse überhaupt“, so Giuliani am Freitag.

„Ich denke, die Fifa wäre töricht, ihn nicht mit einstimmiger Mehrheit wiederzuwählen.“ Infantino habe das Turnier auf 48 Mannschaften erweitert, und der Verband werde aus dieser Weltmeisterschaft „das Fünffache der Einnahmen“ im Vergleich zur letzten erzielen, so Giulina vor Journalisten. „Ich denke, Gianni Infantino ist die zweitcharismatischste Person, mit der ich je zusammengearbeitet habe. Donald J. Trump ist die erste.“

Andrew Giuliani, 40 Jahre alt, ist der Sohn des früheren New Yorker Bürgermeisters Rudy Giuliani, ein langjähriger politischer Weggefährte Donald Trumps. Bereits während Trumps erster Amtszeit war der republikanische Nachwuchspolitiker im Weißen Haus tätig und wurde 2019 zum „Special Assistant to the President“ befördert.

2022 kandidierte er erfolglos für das Amt des Gouverneurs von New York. Im Mai 2025 ernannte ihn Präsident Trump zum Stabschef seines WM-Komitees. In dieser Funktion koordinierte Giuliani die Zusammenarbeit von Bundesbehörden, Bundesstaaten und Kommunen bei Sicherheit, Visavergabe und Infrastruktur rund um das Turnier.

Die Pressekonferenz begann der zunächst gut gelaunte Giuliani mit Witzen über die Bekömmlichkeit von 1,50-Dollar-Pizzascheiben in New York. Dann aber wurde der Ton schnell rauer. Einem der Journalisten unterstellte er eine politische Agenda. Einen anderen unterbrach er, um ihm vorzuwerfen, die Prämisse seiner Frage sei falsch. „Sie gehen davon aus, dass Präsident Trump Gianni Infantino unter Druck gesetzt hat. Die Prämisse ist also falsch.“

Tatsächlich hatte Trump offen zugegeben, dass er Gianni Infantino anrief und um eine Prüfung der Aufhebung der Rot-Sperre gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun gebeten hatte – was wenig später auch geschah. Dann wiederholte Giuliani seine Anschuldigungen gegenüber dem brasilianischen Schiedsrichter Raphael Claus. Der sei „verdächtig“, sagte Giulinai bereits vergangene Woche, da er vor Jahren in Brasilien in einer Wettskandal-Untersuchung im Zug der Vergabe Roter Karten befragt worden sei.

Tatsächlich wurde Claus nichts dergleichen je nachgewiesen. Selbst die Fifa widersprach Giulianis Vorwürfen vehement. „Im Laufe seiner Karriere hat er stets höchste Standards an Professionalität und Integrität unter Beweis gestellt“, erklärte der Verband und bezeichnete Claus als „einen der weltweit führenden Profischiedsrichter und ein geschätztes Mitglied“ ihres Teams von WM-Schiedsrichtern.

Über 99 Prozent Auslastung bei den Spielen

„Niemand lege so viel Wert auf Fairness im Sport wie Donald Trump“, so der WM-Stabschef. „Ich denke, die Entscheidung war absolut die richtige“, sagte Giuliani. Auf die Frage, ob auch der europäische Verband UEFA falschläge, der von einer Beschädigung der Integrität des Fußballs im Zuge der Affäre um die Rote Karte sprach, antwortete er knapp: „Absolut.“

Neben der Debatte um Infantino zog Giuliani eine überschwängliche Bilanz des Turniers. „Wir schließen die am besten besuchte, meistgesehene, sicherste und erfolgreichste Weltmeisterschaft der Geschichte ab“, sagte er. „Mehr als 6,5 Millionen Menschen haben die Spiele besucht, mehr als die letzten beiden Weltmeisterschaften zusammen. Ich erinnere mich, dass ich viele Fragen gehört habe, ob es leere Stadien geben würde. Nun haben wir 99,7 Prozent Auslastung.“ Fast acht Millionen Fans hätten zudem die Fifa-Fanzonen besucht.

„Präsident Trumps Vision ist Wirklichkeit geworden, und wir schließen die am besten besuchte, meistgesehene, sicherste und erfolgreichste Weltmeisterschaft der Geschichte ab“, so Giuliani. „Milliarden von Zuschauern weltweit haben eingeschaltet, um Amerika von seiner besten Seite zu sehen.“

Auch wirtschaftlich sei das Turnier ein immenser Erfolg gewesen: „Allein Dallas rechnet derzeit mit einer Wirtschaftsaktivität von über zwei Milliarden US-Dollar während des Turniers, während Unternehmen in Seattle Umsätze meldeten, die das Zehnfache eines gewöhnlichen Tages betrugen.“ Viele Turnierstädte hätten ihre Gastgewerbebranchen wiederbelebt, den Verkehr verbessert und Investitionen in lokale Geschäftsviertel angestoßen.

Bei der Sicherheit verwies Giuliani auf die enge Zusammenarbeit von über 50 Bundesbehörden mit mehr als 400 lokalen und staatlichen Strafverfolgungsorganisationen. „Die Vereinigten Staaten haben die beste Strafverfolgung der Welt“, so Giuliani.

Dank der Führung des Ministeriums für Innere Sicherheit und des FBI habe die Bundesregierung „mehr als 700 Drohnen beschlagnahmt, die in gesperrtem Luftraum rund um Stadien und Fan-Festivals geflogen sind“. Präsident Trump habe zudem mit der „One Big Beautiful Bill“ einen 500-Millionen-Dollar-Fonds zur Drohnenabwehr durchgesetzt.

Persönlich wurde Giuliani, als er von eigenen Kindheitserinnerungen erzählte: Seine Eltern hätten ihn als Achtjährigen zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA mitgenommen. Im Nachhinein sei ihm klar geworden, welch große Aufgabe der sichere Ablauf eines solchen Weltereignisses gewesen sei. „Ich wollte, dass die Menschen – ob Amerikaner oder internationale Freunde – diese Weltmeisterschaft mit den Augen eines Achtjährigen erleben können. Und ich denke, das haben wir hier gesehen – nicht nur im ganzen Land, sondern auf der ganzen Welt.“

Auf eine Frage von WELT, ob Trump das spanische Team ins Weiße Haus einladen werde, sollte es das Finale gewinnen – nachdem Trump Spanien zuvor als „schrecklichen Partner“ bezeichnet hatte, mit dem er nichts mehr zu tun haben wolle –, wich Giuliani aus. „Ich lasse den Präsidenten die Entscheidung treffen.“ Noch sei keine Entscheidung über einen Empfang im Oval Office bekannt, jedoch sei das auch kurzfristig möglich, angesichts der „Trump-Zeit“, nach der die US-Regierung arbeite.

Giuliani verabschiedete sich mit den Worten: „Die ganze Welt hat sich in die USA verliebt. Es ist unbeschreiblich, dem Rest der Welt das Amerika zeigen zu können, das wir kennen und das wir lieben. Vielen Dank also.“

Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

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