Berlin/Stuttgart – In der AfD rumort es. Gleich zwei Brandbriefe aus der eigenen Basis setzen die Parteichefs Alice Weidel (47) und Tino Chrupalla (51) unter Druck, berichtet der „Spiegel“. Der zentrale Vorwurf: Aus Basisdemokratie sei eine „autokratische Funktionärspartei“ geworden – geprägt von Vetternwirtschaft, Machtmissbrauch und „innerparteilichen Goebbels-Methoden“.
Der erste Brief kommt von Rüdiger Klos (65), einem langjährigen AfD-Landtagsabgeordneten aus Baden-Württemberg (nicht mehr im neuen Landtag) und Gründungsmitglied des Landesverbandes. Er zeichnet das Bild einer Partei, die mit Rechtsstaatlichkeit und innerparteilicher Demokratie gebrochen habe. Den Landesvorsitzenden Markus Frohnmaier (35) und Emil Sänze (75) wirft er vor, Kritiker mundtot zu machen. Klos schreibt von „innerparteilichen Goebbels-Methoden“ und „sektenartigen Zuständen“ in der Partei. Auch gegen Parteichefin Weidel teilt er aus: Ihr Vorstand habe die Landesgeschäftsstelle in einem „chaotischen Zustand“ hinterlassen. Sein Fazit: „Diese AfD ist wegen ihrer antidemokratischen innerparteilichen Strukturen und der Negativauslese ihrer Kandidaten zu einer Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung geworden.“
Zwei Kreisverbände beklagen Unregelmäßigkeiten
Auch Mitglieder zweier Kreisverbände erheben schwere Vorwürfe. Auf sechs Seiten empören sie sich über „moralische Selbstverlotterung“, eine „Kultur der skrupellosen Selbstbedienung“ und die Dominanz von „Machtcliquen“. Sie fordern eine unabhängige Prüfung der Landesfinanzen und einer Erbschaft. Außerdem verlangen sie einen außerordentlichen Mitgliederparteitag mit Neuwahl des Landesvorstands sowie ein Mitgliederforum. Hintergrund des Briefes: Ein früherer Schatzmeister des Kreisverbands Stuttgart soll sich am Parteikonto bereichert haben. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, weil die Person verstorben ist.
Die aktuelle Debatte erinnert an Vorgänge Anfang des Jahres in Sachsen-Anhalt. Damals stand die Partei wegen der Anstellung von Verwandten in Abgeordnetenbüros in der Kritik – auch aus dem eigenen Lager. So urteilte der rechte Vordenker Götz Kubitschek (55): „Der Schaden ist schon da, die Glaubwürdigkeit hat einen Riss.“ Björn Höcke teilte diesen Artikel auf X und kommentierte: „Wir können nur an uns selbst scheitern. Aber dieses Scheitern gerät in den Bereich des Möglichen.“
Markus Frohnmaier weist die aktuellen Vorwürfe zurück. Rüdiger Klos handele „aus persönlicher Verbitterung“, die Anschuldigungen seien „objektiv falsch“. Zumindest die Delegierten des Landesparteitags am Wochenende konnte er überzeugen: Sie bestätigten Frohnmaier mit mehr als 91 Prozent im Amt – dem besten Ergebnis eines AfD-Landeschefs in Baden-Württemberg.