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Zwei Kinder nach Amoklauf in Stade sind jetzt Waisen

Zwei Kinder nach Amoklauf in Stade sind jetzt Waisen
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Stade (Niedersachsen) – Sie sind erst drei und vier Jahre alt. Zu klein, um zu begreifen, warum Papa nicht mehr nach Hause kommt. Zu klein, um zu verstehen, warum auch Mama plötzlich nicht mehr da ist. Aber alt genug, um zu spüren, dass nichts mehr so ist wie vorher.

Zwei kleine Kinder haben innerhalb weniger Wochen beide Eltern verloren. Erst starb ihr Vater. Dann wurde ihre Mutter aus dem Leben gerissen – erschossen bei dem Amoklauf eines Mannes in der Mutter-Kind-Einrichtung in Stade.

Die Bluttat geschah am Montag mitten in einem Gespräch, das eigentlich helfen sollte. Nach bisherigen Erkenntnissen ging es in der Mutter-Kind-Einrichtung um einen Sorgerechtsstreit um ein erst drei Monate altes Baby. Plötzlich soll der mutmaßliche Täter, der Türke Fatih G. (45), eine Beretta-Pistole gezogen und auf die anwesenden Mitarbeiter geschossen haben. Sechs Menschen starben – unter ihnen die Mutter der beiden Kinder, die jetzt Waisen sind.

Die junge Frau wurde nur 32 Jahre alt. Sie arbeitete an einem Ort, an dem Familien Hilfe suchen. An dem Mütter mit ihren Kindern Schutz finden sollen. An dem Menschen in Krisen begleitet werden. Ausgerechnet dort wurde sie getötet.

Sie half anderen Kindern – jetzt brauchen ihre eigenen Kinder Hilfe

Freunde der getöteten Mutter haben nach der Tat eine Spendenaktion für die beiden Kinder gestartet. Ihr Titel: „Zwei kleine Herzen brauchen unsere Hilfe“. In dem Aufruf schreiben sie: „Es gibt Schicksale, für die es keine Worte gibt.“ Die 32-Jährige wird darin als liebevolle Mutter beschrieben. Als starke Frau. Als warmherziger Mensch, der immer für andere da war. Als jemand, der half, unterstützte, auffing. Auch beruflich setzte sie sich für Kinder und Familien ein. Sie wollte anderen Kindern Sicherheit geben. Jetzt sind es ihre eigenen Kinder, die Sicherheit brauchen und Menschen, die sie auffangen. Menschen, die ihnen irgendwann erklären müssen, warum Mama und Papa nicht mehr zurückkommen.

Am 9. Juni nahmen sie Abschied vom Papa

Das Schicksal der Familie ist kaum auszuhalten: Am 9. Juni nahmen Angehörige und Freunde Abschied vom Vater der Kinder. Nur 20 Tage später wurde auch ihre Mutter getötet – bei dem Amoklauf. Erst der Papa. Dann die Mama. Zwei kleine Kinder, die in wenigen Wochen das verloren haben, was für Kinder die ganze Welt bedeutet. In dem Spendenaufruf heißt es, noch sei ungewiss, wie der weitere Weg der Kinder aussehen werde. Sicher sei aber: Sie brauchen jetzt Unterstützung, Sicherheit und Menschen, die ihnen helfen.

Schon mehr als 600 000 Euro gesammelt

Die Anteilnahme ist riesig. Innerhalb weniger Tage kamen nach Angaben der Spendenseite bereits mehr als 600.000 Euro zusammen. Mehr als 24.000 Menschen haben gespendet. Das Geld soll den Kindern helfen: bei Versorgung, Betreuung, Bildung, möglicher therapeutischer Unterstützung, aber auch bei Kosten rund um die Beerdigung und die Folgen dieses unfassbaren Verlustes. Jede Spende, schreiben die Initiatoren, sei ein Zeichen der Hoffnung. Ein Zeichen an die Kinder: Ihr seid nicht allein.

BILD zeigt Familienfoto aus Rücksicht nicht

Auf der Spendenseite ist ein Foto der getöteten Mutter mit ihren Kindern zu sehen. Ein Foto aus glücklichen Zeiten, aufgenommen am Meer. BILD zeigt dieses Bild bewusst nicht. Wir möchten die Privatsphäre der Kinder und Angehörigen in dieser unvorstellbar schweren Situation schützen. Denn hinter dieser Spendenaktion stehen zwei kleine Kinder, die viel zu früh lernen mussten, was Verlust bedeutet. Sie haben erst ihren Papa verloren. Dann ihre Mama.

Jetzt brauchen sie das, was ihre Mutter anderen Familien geben wollte: Schutz, Sicherheit und Menschen, die für sie da sind.

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