Zweibrücken – Zugbegleiter Serkan Çalar (36) wollte nur seine Arbeit machen und wurde im Zug totgeprügelt. Der Täter, Ioanni V. (26), steht sich seit dem 1. Juli vor dem Landgericht Zweibrücken. Am Donnerstag wurde der Grieche wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu 10 Jahren Haft verurteilt.
Ein zu mildes Urteil für Serkans Angehörige. Die Familie des Schaffners war auch bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. Sie boykottierten den Prozess, weil das Gericht einer Forderung der Nebenklage nicht nachkam und sie schon vor dem Urteilsspruch annahmen, dass Ioanni V. nicht wegen Mordes verurteilt werden würde.
Denn, die Staatsanwaltschaft wollte Ioanni V. nach der tödlichen Prügelattacke auf den Schaffner zwar wegen Mordes anklagen, das Landgericht ließ aber nur ein Verfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu. Trotzdem hätte die Kammer Ioanni V. wegen Mordes oder Totschlags verurteilen können. Nebenklage-Anwalt Yalçın Tekinoğlu hatte am Freitag einen entsprechenden „rechtlichen Hinweis“ beantragt. Doch Richter Herzog wollte auf den Antrag nicht reagieren. Der Nebenklage-Anwalt kündigte direkt nach der Urteilsbegründung an, in Revision zu gehen.
Die Tat, die sich am 2. Februar im Regionalexpress von Kaiserslautern nach Homburg ereignete, wurde von der Überwachungskamera im Zug aufgezeichnet. Die Bilder sollen zeigen, wie der Schaffner den Griechen leicht am Arm berührt, um sein Ticket zu kontrollieren. Doch Ioanni V. hat keins, er soll aggressiv geworden sein. Zeugen sagen später, dass der Schaffner dann versuchte, zu deeskalieren, den Griechen auf Abstand halten und ihn des Zuges verweisen wollte. Nach BILD-Informationen passiert dann Folgendes: Der 26-Jährige haut auf den Tisch vor sich, ruft immer wieder „Don’t touch me, don’t touch me“ und schlägt gezielt auf den Kopf des Zugbegleiters ein. Erst als sein Opfer bewusstlos zusammenbricht, lässt der Täter von ihm ab.
Nach der schrecklichen Tat gab es bundesweit eine Schweigeminute an Bahnhöfen und in Zügen. Für Serkan Çalars Familie mag der Prozess jetzt zwar enden. Der 2. Februar endet für sie nie.