Sport

WWE: Meine 12 Jahre Zerstörung mit Brock Lesnar! BILD-Reporter Enrico Ahlig blickt zurück

WWE: Meine 12 Jahre Zerstörung mit Brock Lesnar! BILD-Reporter Enrico Ahlig blickt zurück
TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Die Bestie hat sich zur Ruhe gelegt.

Am Dienstag verkündete Brock Lesnar (49) das Ende seiner Wrestling-Karriere. Mit einer Niederlage gegen Oba Femi (28) am Samstag beim „SummerSlam“ verabschiedete sich der wohl größte WWE-Star der vergangenen 15 Jahre. Kein großes Feuerwerk. Keine minutenlange Abschiedsrede. Nur eine Umarmung, ein Blick ins Publikum und ein Satz, der alles sagte: „Ich bin die Vergangenheit. Er ist die Zukunft.“

Für Millionen Fans endet damit eine Ära. Für mich endet gleichzeitig eine Reise.

Denn Brock Lesnars zweites großes Abenteuer begann ausgerechnet bei meiner ersten WrestleMania als BILD-Reporter, im Jahr 2014. Seit jenem Abend in New Orleans durfte ich seine größten Triumphe, seine brutalsten Schlachten, seine schwächsten Momente und schließlich auch seinen Abschied live miterleben. Ich habe ihn getroffen, mit Wrestlern über ihn gesprochen und in den größten Arenen der Welt erlebt, wie aus einem Ausnahmesportler eine Legende wurde.

Zwölf Jahre lang führte mich mein WWE-Weg immer wieder zu Brock Lesnar. Jetzt ist diese Geschichte zu Ende.

Und wenn ich an Lesnar denke, denke ich zuerst an diesen einen Moment. WrestleMania 30. New Orleans. Meine erste WrestleMania. Ich hätte mir keinen verrückteren Einstieg wünschen können.

Die Bestie erwacht

Niemand glaubte ernsthaft daran, dass der Undertaker verlieren würde. Seine Streak galt als unantastbar. 21 WrestleMania-Matches, 21 Siege. Die größte Serie der Wrestling-Geschichte.

Dann passierte das Unfassbare. Der Ringrichter zählte bis drei. Auf der Anzeigetafel erschien 21:1.

Und plötzlich herrschte in einer Arena mit mehr als 75.000 Menschen eine Stille, die ich nie wieder erlebt habe. Fans starrten fassungslos auf die Leinwand, schauten sich gegenseitig an und suchten nach einer Erklärung. Auch ich konnte nicht glauben, was ich gerade gesehen hatte.

Brock Lesnar war die 1.

Damals wusste noch niemand, dass genau in diesem Moment seine eigentliche Legende begann.

Vier Monate später saß ich beim „SummerSlam“ in Los Angeles. Reihe acht. Lesnars erstes Match nach dem Undertaker-Schock. WWE-Champion John Cena wartete.

Was dann folgte, war keine Titelverteidigung. Es war eine öffentliche Demontage.

German Suplex. Noch einer. Und noch einer. Irgendwann hörte ich auf zu zählen. Lesnar schleuderte Cena durch den Ring, als wäre der langjährige Superstar nur ein Trainingspartner. Mehr als zehn German Suplexes später war klar: Das war der größte Squash, den ich je in einem WWE-Main-Event gesehen hatte.

John Cena stand danach zwar wieder auf. Aber der unantastbare Superheld war er nie wieder. Von diesem Abend an war Brock Lesnar endgültig der Endgegner der WWE.

Weil Lesnar nur einen Teilzeitvertrag hatte, trat er fast ausschließlich bei den größten Veranstaltungen an. Jede seiner Rückkehr war deshalb ein Ereignis.

WrestleMania 31 in Santa Clara fühlte sich bereits wie eine Staffelübergabe an. Roman Reigns sollte Brock Lesnar den Titel abnehmen und die Zukunft der WWE werden.

Doch die Fans spielten nicht mit. Mehr als 70.000 Zuschauer buhten Reigns gnadenlos aus und feuerten stattdessen den Champion an. Ich hatte selten erlebt, dass ein eigentlich als Bösewicht geplanter Wrestler derart gefeiert wurde. In dieser Nacht entstand endgültig „Suplex City, Bitch!“ – ein Satz, der später zum Markenzeichen einer ganzen Ära wurde.

Bis heute gehört dieses Match für mich zu den besten WrestleMania-Hauptkämpfen überhaupt.

Die Magie, die Lesnar und Reigns an diesem Abend gemeinsam entwickelten, erreichten sie später nie wieder. Mit einem genialen Kniff rettete die WWE ihre Zukunftspläne: Seth Rollins stürmte mit seinem Money-in-the-Bank-Koffer zum Ring, cashte ein und schnappte sich den Titel. Lesnar verlor seinen Titel. Besiegt wurde er trotzdem nicht.

Das schaffte erst ein alter Bekannter. Der Undertaker.

Beim „SummerSlam“ 2015 in New York bekam die Legende ihre Revanche. Unvergessen bleibt Lesnars ausgestreckter Mittelfinger, kurz bevor er das Bewusstsein verlor. Noch eindrucksvoller war für mich allerdings der Blick neben den Ring. Michelle McCool, Frau Undertaker, lief voller Sorge um ihren Mann durch die Arena und schrie ihm aus der ersten Reihe zu.

Es war einer dieser Momente, in denen Wrestling plötzlich erstaunlich echt wirkte. Schade nur, dass das Finish genau das Gegenteil war. Der umstrittene Schluss nahm dem Match viel von seiner Größe. Später am Abend traf ich Finn Bálor auf dem Hoteldach. Wir kamen auf den Main Event zu sprechen. Seine ehrliche Reaktion werde ich nie vergessen.

„Das war richtig scheiße.“

Treffender hätte man es kaum zusammenfassen können.

Ein Jahr später folgte tatsächlich der Tiefpunkt. WrestleMania 32 in Dallas. Dean Ambrose gegen Brock Lesnar. Eigentlich hätte das ein brutaler Street Fight werden müssen. Stattdessen wirkte Lesnar, als hätte er an diesem Abend schlicht keine Lust. Keine Intensität, keine Spannung, keine Magie. Bis heute halte ich es für das lustloseste WrestleMania-Match seiner gesamten Karriere.

Blutrausch in New York

Doch Brock Lesnar wäre nicht Brock Lesnar gewesen, wenn er nicht wenige Monate später wieder für einen Moment gesorgt hätte, den ich niemals vergessen werde.

„SummerSlam“ 2016. New York. Zwei Tage vor der Show durfte ich Lesnar für genau 60 Sekunden treffen. Es waren vermutlich die kürzesten 60 Sekunden meiner Reporter-Karriere.

Lesnar machte vom ersten Moment an deutlich, dass Small Talk nicht zu seinen Hobbys gehört. Er wirkte, als wolle er mit niemandem sprechen – schon gar nicht mit einem Reporter. Immerhin verriet er mir noch, dass seine Familie deutsche Wurzeln hat. Danach war das Gespräch praktisch beendet.

Im Ring sprach Brock Lesnar später ohnehin lieber mit den Fäusten. Oder in diesem Fall mit den Ellenbogen. Sein Gegner Randy Orton verließ den Ring blutüberströmt. Lesnar hatte ihm mit mehreren Ellbogenschlägen ein Loch in den Kopf geschlagen. Der Ringrichter brach den Kampf einfach ab. Ich saß auf meinem Platz und fragte mich zum ersten Mal ernsthaft, ob das hier überhaupt noch Sports Entertainment war – oder einfach nur rohe Gewalt.

Selbst hinter den Kulissen glaubten manche Wrestler, der Angriff sei außer Kontrolle geraten. Chris Jericho soll so wütend gewesen sein, dass er Lesnar nach der Show zur Rede stellen wollte.

Kaum ein anderer Wrestler konnte die Grenze zwischen Show und Realität so verschwimmen lassen wie Brock Lesnar. Und genau das machte ihn so faszinierend.

Nach dieser blutigen Nacht in New York schien Brock Lesnar endgültig unaufhaltsam. Bei WrestleMania 33 in Orlando zeigte er noch einmal, warum ihn viele für den glaubwürdigsten Wrestler seiner Generation halten. Goldberg. Fünf Minuten. Mehr brauchten die beiden nicht.

Ich saß in Reihe fünf und sah einen Main Event, der keine Sekunde Leerlauf hatte. Kein langes Abtasten, keine Pausen, kein unnötiges Theater. Es war pures Chaos. Spear. Jackhammer. F5. Jeder Move hätte das Match beenden können. Als Lesnar schließlich gewann und sich den Universal Title zurückholte, fühlte es sich an, als hätte die WWE ihren Endboss endgültig erschaffen. Doch genau dort begann langsam das Problem.

Lesnar war Champion. Aber er war kaum da. Die WWE hatte ihn längst zur Attraktion für die ganz großen Shows gemacht. „Royal Rumble“. WrestleMania. „SummerSlam“. „Survivor Series“. Dazwischen verschwand er oft monatelang. Jedes Mal, wenn seine Musik erklang, wirkte das zwar riesig – gleichzeitig trat die eigentliche Show immer häufiger auf der Stelle. Es gab kaum jemanden, der glaubwürdig gegen ihn wirkte. Brock Lesnar stand über allen.

Auch deshalb verschwimmen meine Erinnerungen an diese Zeit ein wenig. Die WWE veranstaltete vier SummerSlams in Folge im Barclays Center in Brooklyn. Ich war jedes Jahr dort. Ich erinnere mich kaum noch daran, dass Lesnar 2017 seinen Titel gegen Roman Reigns, Braun Strowman und Samoa Joe verteidigte. Vieles fühlte sich irgendwann gleich an. Dieselbe Halle, dieselben Gesichter, dieselbe Geschichte. Lesnar blieb der Endboss – der Rest durfte sich an ihm abarbeiten.

Brock hatte keine Lust mehr

Unvergessen ist dagegen WrestleMania 34. Wieder New Orleans. Vier Jahre nach dem Ende der Streak. Eigentlich hätte ich an diesem Abend gar nicht dort sein dürfen. Der damalige WWE-Europachef hatte mir WrestleMania-Verbot erteilt. Warum? Eine andere Geschichte.

Natürlich flog ich trotzdem nach New Orleans und saß beim Event neben Minoru Suzuki. Als der Main Event zwischen Brock Lesnar und Roman Reigns begann, lag eine seltsame Stimmung über dem Mercedes-Benz Superdome. Die Fans hatten endgültig genug. Genug von Lesnar, der als Champion kaum auftauchte. Genug von Roman Reigns, den die WWE seit Jahren mit aller Macht als neuen Superstar etablieren wollte.

Schon nach wenigen Minuten wurde der Kampf von einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert begleitet. Die Zuschauer buhten beide aus. Laut. Ununterbrochen.

Viele Kollegen fanden die Atmosphäre schrecklich. Ich fand sie großartig. Denn selten hatte ich erlebt, dass sich ein Publikum so offen gegen die Pläne der WWE stellte. Und dann passierte genau das, womit kaum noch jemand gerechnet hatte. Lesnar gewann. Ich musste grinsen.

Backstage warf Brock danach Vince McMahon den Titel auf den Tisch. Er selbst hatte keine Lust mehr auf die ewig gleiche Geschichte.

Ein paar Monate später war dann aber endgültig Schluss. Beim „SummerSlam“ 2018 besiegte Roman Reigns Brock Lesnar und beendete dessen große Titel-Regentschaft.

Der Endgegner war gefallen.

Natürlich verschwand Brock nicht sofort. Wenige Wochen später holte er sich den Titel sogar noch einmal zurück. Doch irgendetwas hatte sich verändert. Die unantastbare Aura bekam erste Risse. Spätestens bei WrestleMania 35 in New Jersey wirkte Lesnar plötzlich nicht mehr wie die alles dominierende Naturgewalt, sondern wie einer von vielen Topstars.

Im Opener verlor er den Titel nach gut zwei Minuten an Seth Rollins. Ein kurzer Schockmoment. Mehr blieb davon nicht.

Dann kam Corona. Die Wrestling-Welt stand still. Auch Brock Lesnar verschwand.

Erst Anfang 2022 sah ich ihn beim „Royal Rumble“ in St. Louis wieder. Dort verlor er zunächst überraschend gegen Bobby Lashley. Wirklich in Erinnerung geblieben ist mir aber das Ende des Abends. Plötzlich erschien Lesnar als Nummer 30 im „Royal Rumble“, räumte das Feld auf und gewann das Match.

Die WWE wollte noch einmal alles aus ihrem größten Star herausholen. Es funktionierte allerdings nur noch bedingt.

WrestleMania 38 wurde als „der größte Main Event aller Zeiten“ angekündigt. Roman Reigns gegen Brock Lesnar. Titel gegen Titel. Schon auf dem Papier klang es nicht mehr gigantisch.

Ich habe selten einen WrestleMania-Main-Event erlebt, bei dem die Zuschauer emotional so wenig investiert waren. Es war bereits das x-te große Match zwischen beiden. Alles hatte man schon gesehen. Jede Aktion. Jede Geschichte. Jede Wendung. Als Reigns schließlich gewann, regte sich kaum noch jemand auf. Die Fans wollten einfach nur nach Hause. Ich ehrlich gesagt auch.

Der Traktor veränderte alles

Dass die WWE die Paarung nur vier Monate später beim „SummerSlam“ gleich noch einmal brachte, sorgte zunächst eher für Kopfschütteln. Bis Brock Lesnar plötzlich mit einem Traktor ins Stadion fuhr.

Von diesem Moment an sprach niemand mehr über das Match. Alle sprachen nur noch über den Traktor. Und genau das war das Faszinierende an Brock Lesnar.

Er brauchte manchmal nur einen einzigen Moment, um einer ganzen Veranstaltung seinen Stempel aufzudrücken. Der ernste, wortkarge Endboss war plötzlich Cowboy Brock. Er lachte mehr, spielte mit dem Publikum und schien selbst wieder Spaß an der Sache zu haben.

Die Fans liebten diese neue Version. Trotzdem war klar, dass sich seine Rolle verändert hatte. Er war nicht mehr der Mann, den niemand schlagen durfte. Er war jetzt der Mann, der andere größer machte.

Bei WrestleMania 39 musste er ausgerechnet gegen Omos antreten – eine Ansetzung, die seiner Bedeutung kaum gerecht wurde. Deutlich besser wurde es einige Monate später beim „SummerSlam “gegen Cody Rhodes. Lesnar verlor. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass ihn genau das gar nicht mehr störte. Er wusste, dass seine Zeit als unbesiegbare Bestie vorbei war.

Jetzt bestand seine Aufgabe darin, den nächsten Superstar aufzubauen. Für jemanden wie Brock Lesnar war das vermutlich die schwierigste Rolle seiner gesamten Karriere.

Dann verschwand Brock Lesnar plötzlich. Nicht wegen einer Verletzung. Nicht wegen seines Alters. Sondern, weil sein Name im Sex-Skandal um Vince McMahon auftauchte.

Veröffentlicht wurden widerwärtige SMS, die McMahon mit seinem langjährigen Superstar ausgetauscht haben soll. Von einem Tag auf den anderen war Lesnar aus allen WWE-Plänen verschwunden. Die Liga strich ihn aus Videospielen, entfernte ihn aus Werbematerialien und tat so, als hätte es ihn nie gegeben.

Je länger die Pause dauerte, desto klarer schien: Das war's. Ich war überzeugt, Brock Lesnar nie wieder in einem WWE-Ring zu sehen. Doch dann kam der August 2025.

Ich hatte gerade ein fantastisches Match zwischen Cody Rhodes und John Cena beim „SummerSlam“ in New Jersey gesehen, als plötzlich diese Musik erklang.

Die Arena explodierte. Brock Lesnar war zurück. Nicht jeder jubelte. Zu präsent waren die Schlagzeilen der vergangenen Monate. Und auch die WWE wusste genau, dass kritische Fragen kommen würden. Kurzerhand wurde die Pressekonferenz nach der Show abgesagt. Man wollte keine Diskussionen, sondern Bilder von der Rückkehr.

Die Strategie ging auf. Mit jeder Woche verstummte die Debatte ein Stück mehr. Trotzdem ließ mich das Comeback seltsam kalt.

Vielleicht, weil sich die WWE inzwischen verändert hatte. Vielleicht, weil inzwischen andere die Show trugen. Vielleicht auch, weil Brock selbst nicht mehr wirkte wie der Mann, der früher jede Halle mit seiner bloßen Anwesenheit elektrisierte.

Er war wieder da. Aber gebraucht wurde er eigentlich nicht mehr. So fühlte es sich zumindest an.

Die Tränen der Bestie

Bis WrestleMania 42. Dort änderte sich alles. Vier Minuten. Mehr brauchte Oba Femi nicht, um Brock Lesnar auseinanderzunehmen. Es war keine knappe Niederlage. Es war eine Demontage.

Und dann passierte etwas, womit wohl niemand gerechnet hatte. Lesnar blieb einfach sitzen. Mitten im Ring. Er zog langsam seine Handschuhe aus. Danach die Stiefel. Er schaute ins Publikum. Und plötzlich liefen ihm die Tränen über das Gesicht.

Ich traute meinen Augen kaum.

Zwölf Jahre lang hatte ich Brock Lesnar als unzerstörbare Maschine erlebt. Als Mann, der Gefühle höchstens in Form eines F5 ausdrückte. Jetzt saß derselbe Brock weinend im Ring.

Aus der Bestie wurde plötzlich ein Mensch. Ich hatte glasige Augen. Und ich war längst nicht der Einzige. Lesnar ging anschließend noch hinter die Kulissen, verabschiedete sich von seinen Kollegen und nahm sich für jeden Zeit. Alles wirkte wie ein endgültiger Abschied.

Ich war mir sicher: Das war der letzte Brock-Lesnar-Moment meiner Reporter-Karriere.

Ich lag daneben. Nur drei Wochen später stand er schon wieder im Ring.

Offenbar hatte die WWE ihn überredet, doch noch ein letztes Match zu bestreiten. Der Rückkampf gegen Oba Femi wurde kurzfristig für „Clash in Italy“ angesetzt.

Ein Glücksfall. Für die Fans. Und auch für mich. Denn was ich in Turin erlebte, gehörte zu den schönsten Momenten meiner gesamten WWE-Zeit. Schon Minuten vor seinem Auftritt sangen Tausende Fans Brock Lesnars Einzugsmusik. Wohlgemerkt eine Musik ohne Text. Es war völlig verrückt.

Die Halle feierte ihn wie einen Gladiator auf seiner letzten Ehrenrunde. Und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass Lesnar diese Liebe auch wirklich zuließ. Er spielte mit den Fans, genoss jeden Augenblick und hatte sichtbar Spaß. Abseits der Kameras tanzte Brock Lesnar zu Oba Femis Musik. Die Fans rasteten völlig aus. Für einen Abend war er der beliebteste Wrestler der Welt.

Er gewann nach sechs Minuten. Es sollte der letzte Sieg seiner Karriere sein.

Am vergangenen Samstag folgte schließlich das endgültige Ende. Wieder hieß der Gegner Oba Femi. Und schon beim Einzug lag dieses besondere Gefühl in der Luft. Niemand wusste, dass es das letzte Match werden würde – aber man ahnte es.

Er verlor. Doch bevor das Match endete, zeigte er zum ersten Mal in seinem Leben den „Tombstone“-Piledriver. Ausgerechnet den Finisher des Undertaker.

Für mich war das kein Zufall. Es wirkte wie eine letzte Verbeugung vor jenem Mann, dessen Niederlage zwölf Jahre zuvor Brock Lesnars zweite Karriere überhaupt erst möglich gemacht hatte. Ohne WrestleMania 30 hätte es den Mythos Brock Lesnar, wie wir ihn heute kennen, nie gegeben.

Damals öffnete sich in New Orleans das Tor zur Hölle. Ich durfte ab und zu hineinschauen. Am Samstag wurde es wieder geschlossen.

Nach dem Match kehrte Lesnar noch einmal in den Ring zurück. Er umarmte Oba Femi, hob dessen Arm und sagte einen Satz, der seine gesamte Karriere zusammenfasste:

„Ich bin die Vergangenheit. Er ist die Zukunft.“

Als ich 2014 nach New Orleans flog, war ich zum ersten Mal als BILD-Reporter bei einer WrestleMania. Ich hatte keine Ahnung, dass ich ausgerechnet dort den Beginn der größten Brock-Lesnar-Ära erleben würde.

Brock Lesnar war nie der perfekte Wrestler.

Wenn er keine Lust hatte, ließ er das jeden spüren. Manche seiner Matches waren erschreckend lustlos. Manchmal schien er nur den Scheck abzuholen. Aber wenn er wollte, dann gab es in der gesamten Wrestling-Welt niemanden, der faszinierender war. Niemand wirkte glaubwürdiger. Niemand strahlte mehr Gefahr aus.

Niemand konnte eine Arena mit seiner bloßen Anwesenheit so elektrisieren wie Brock Lesnar.

Zwölf Jahre später saß ich wieder in einer Arena und sah sein letztes Match.

Dazwischen liegen unzählige Flüge, schlaflose Nächte, ausverkaufte Stadien, German Suplexes, F5s, Blut, Jubel, Pfiffe und Momente, die ich niemals vergessen werde. Ich habe Brock Lesnar als unaufhaltsame Bestie erlebt, als lustlosen Teilzeit-Champion, als gefürchteten Endboss und am Ende als Menschen, der mitten im Ring seine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

So schließt sich ein Kreis. Meine erste WrestleMania begann mit dem Ende der Streak. Meine letzte Brock-Lesnar-Show endete mit seinem Abschied.

Dazwischen liegt die wohl größte Karriere, die die WWE in den vergangenen 15 Jahren hervorgebracht hat.

Danke für die Show, Brock.

Und viel Spaß beim Angeln.

Vielleicht verpasst