Mexiko ist ein fußballverrücktes Land. Und trotzdem fehlt – mit wenigen Ausnahmen – die Begeisterung für die WM, die am Donnerstag im Aztekenstadion beginnt. Vor der Eröffnungsfeier und dem Spiel Mexiko gegen Südafrika sind die Probleme der Bevölkerung groß. Ein Vorwurf, der immer wieder zu hören ist, lautet: Die Stadtregierung betreibt Kosmetik für die Touristen aus aller Welt, aber für die Capitalinos (Bewohner der Hauptstadt) ändert sich nichts zum Besseren.
Beispiele dafür gibt es genug. So ließ Bürgermeisterin Clara Brugada (62) öffentliche Bauwerke wie Fußgängerbrücken, Geländer, Mauern und Unterführungen in Lila streichen. Als Zeichen ihrer feministischen Gesinnung. Problem: Die Farbe verstößt gegen Verkehrsregeln. Also rückten die Maler wieder an und überpinselten vielerorts das Lila wieder.
Ein anderer Fall: In der Metrostation Hidalgo (Linien 2 und 3) wurden Plastik-Kronleuchter an die Decke geklatscht, um der Station etwas Glanz zu verleihen. Der Plan ging mächtig in die Hose, die Kronleuchter eignen sich heute maximal noch für Spott-Filmchen auf Social Media.
Plastik-Kronleuchter, lila Brücken und Last-Minute-Bäumchen – Mexiko-Bewohner genervt von der WM
Das spektakulärste Beispiel aber dürfte die Ciclovía La Gran Tenochtitlán sein, eine Fahrradspur entlang der Calzada de Tlalpan. Das ist die Hauptachse vom Zentrum der Stadt in Richtung Aztekenstadion – und der Straßenstrich von Mexiko City. Nun stört die Fahrradspur die Prostituierten bei ihrem Geschäft. Die Freier können mit ihren Autos nicht mehr einfach so am Straßenrand anhalten. Und viele der Radler filmen die Damen – was denen missfällt. In den letzten Wochen kam es deshalb häufiger zu Handgreiflichkeiten zwischen Prostituierten und Radfahrern. Videos davon landeten im Netz. Eines davon zeigt, wie mehrere Damen unsanft einen Radler anhalten, ihm sein Handy abnehmen und es auf den Boden schmeißen.
Dass der Umbau des internationalen Flughafens Benito Juárez noch nicht abgeschlossen ist, wird von vielen Capitalinos nur noch mit einem Schulterzucken bedacht. Ebenso die Tatsache, dass die Stadtverwaltung kurz vor dem Turnier noch Blumen und Bäume herankarrt, um die Metropole schöner wirken zu lassen.